und deshalb.

Es gab Wochen, da habe ich Asien verflucht für seine Einfachheit. Für seine touristische Ader und deswegen auch mich selbst weil ich dazugehörte- und nicht wusste wie ich daraus ausbrechen kann.
Und es stimmt, was man sagt. Man muss den schweren Weg wählen auch wenn man den einfachen haben könnte um das echte Asien zu erleben. Denn das echte Asien ist eben nicht einfach. IMG_3882

Und vielleicht ist es das was ich jetzt am meisten daran liebe: Asien hat mir gezeigt, dass Dinge kaputt sein können. Motorroller, Busse, Systeme, Menschen. Sie können gebrochene Achsen haben, paradoxe Methoden oder geborstene Herzen. Sie können den Krieg in sich tragen, wie all die Geschichten in Kambodscha. Schutt und Asche in den Augen eines 20-jährigen, während er lacht. Städte ohne Regeln, fünf Geschwister, jugendlicher Leichtsinn, wenig Geld, wer weiß das schon. Wir wohl nicht.
Hier tickt die Uhr anders, hier schlägt das Herz schneller, hier dreht sich die Welt auf einer anderen Achse. Kein Australien aus dem Westen, nicht nur Strand in Thailand, nicht nur wandern in Vietnam, nicht nur erleben in Laos. Denn da draußen, vor der Urlaubernase, vor meinem Abenteuerherz, geht es allzu oft ums überleben. Während ich meinen Cappuccino schlürfe, steht die Welt in den Bambushütten am Straßenrand schief, in den Seitengassen von Siem Reap, in den Winkeln des Tourismus.
Und heute bin ich dankbar für die augenscheinliche Einfachheit. Für jedes dahinter versteckte zitternde Wort, für jeden unsicheren Blick, jedes Teilen der Kaputtigkeit. Und hoffe, dass ich bei meinem nächsten Besuch mehr sein kann als nur Zuschauer.

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Fotos: Felix M.

Volunteering; Marine Conservation

Eine Insel, die unseren Regeln folgt und wir, die ihren folgen. Am verblichenen Holzsteg liegen nur zwei Boote. Vor den Bungalows am Hang flattern die Handtücher und die Steine und Muscheln mischen sich in meinem Blick mit dem türkis des Meeres und der chaotischen Ordnung unseres „Wohnzimmers“.
Hier, im Hauptbungalow, stehen Tische und hängen Hängematten. Plastikbecher und Seepferdchen-Zeichnungen, Logbücher und Kochtöpfe. Ein Chaos, das die nächsten 4 Wochen meine Ordnung sein wird. Koh Seh; 6 Bungalows, zwei Zelte, ein Diveshet, ein Hauptbungalow, ein Volleyballfeld, drei Bunker, dutzende Hängematten, sechs Hunde, sechs Kinder, ein paar Seepferdchen.IMG_5363IMG_5407 IMG_5347DCIM100GOPROGOPR1845. DCIM100GOPROGOPR1827.


Die Decke kratzt ein bisschen unter meinen Beinen. Das Gras hier ist zu lang, die Äste darin schon vor Wochen von den Bäumen gefallen. Im Schatten des Hauses wiegen sich zwei Hängematten. Die Frauen darin lächeln freundlich, ich fühle mich trotzdem ein bisschen wie ein Eindringling. Es macht mich verlegen, dass ich die Sprache nicht spreche. Dass vermutlich der Moment gekommen ist, an dem es besser wäre mehr zu können als zu lächeln und zu nicken. Ich schiebe meine Füße unter meinen Schoß, denn hier ist es unhöflich sie innerhalb des Kreises zu strecken. Bas neben mir rutscht ein bisschen nach hinten und Matteo ordnet den Fragebogen. Der Fischermann setzt sich. Er ist klein und dünn, am Arm ein Tattoo, das schon verblasst. Ich glaube er ist nervös, aber im nächsten Moment denke ich, dass ich mich täusche. Trotzdem zerbröselt er während unserer Fragen das trockene Laub vor seinen Füßen.

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An mir vorbei schweben tausende Partikel, denen ich keinen Namen gebe. Es ist düster, über uns ist es hell. Die Blubberblasen lecken mein Gesicht bevor sie an die Oberfläche tanzen. Ich drücke den Daumen in den weichen Boden und kneife die Augen zusammen. Das Seegras vor mir wiegt sich.DCIM100GOPROG0161865.


Das Schiff wankt. Die Sterne über uns umrahmen eine Welt, in der die Taschenlampen aufblitzen und Nang schreit. Seine Stimme bricht, wenn er wütend ist. Ein Junge, dessen Sprache sonst aus einem Lachen besteht. Die Wellen schaukeln uns und ich sehe Paul wie er nur wenige Meter von uns auf dem „Middle Boat“ steht, den einen Arm um sich zu halten. Denn zwischen unseren Booten liegt ein Weiteres. Sein Holz kracht gegen unseres. Die Fischernetze rutschen von einer Seite zur Anderen und der Fischer, vorher noch seelenruhig dabei zu sortieren, blickt mich nun fassungslos an. Die Netze die dort liegen, sind illegal. Einmal im Wasser nehmen sie alles mit, was sich vom Boden aufwärts befindet. Alle drei Boote befinden sich in Aufruhr. Hier also ist der Augenblick in dem Moral, Gesetz, Zukunft, Vergangenheit, Gewissen und Pflicht aufeinanderprallen. Ich frage mich nicht sofort was dieser Mann dort für ein Leben führt, doch am nächsten Tag fragen wir es uns Alle. Konnte er seine Familie ernähren auch wenn wir ihm eine Nacht seiner Arbeit gestohlen haben? Wie viele Fische, bedrohte Arten, hat er trotzdem illegal aus dem Meer gefischt, so dass andere Fischer kaum noch Bestände haben und das Ökosystem zusammenbricht? Wer hat das Recht wozu? Wie lange wird das noch so gehen? Was sind die Lösungen?
Große Verbrechen im kleinen Maß. Denn was illegale Fischer in Kambodscha können, kann der Westen schon viel länger.IMG_5345


Der Regen prasselt in riesigen Tropfen auf die Wasseroberfläche. Mit jedem einzelnen drückt sich das Wasser gleichzeitig hoch und es sieht ein bisschen so aus als würden sich kleine Türme formen. Solche, die sich zum Himmel recken.


Da ist der Kopf. Kurz blitzt er vor meinen Augen auf. Das erste Seepferdchen nach zwei Wochen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob dort tatsächlich ein Kopf war oder nur eine weitere Schnur des Netzes, an dem es sich unterhalb der Boje festhält. Meine Brille ist beschlagen, ein Wassertropfen tanzt genau vor meiner Pupille. Ich kneife die Augen zusammen.


Hier unten ist es still. Wir treiben dort. Keiner sagt etwas, ab und zu drehen wir uns zueinander um, versichern uns, dass wir noch alle da sind. Hier sind wir gleich.


Roisin zeigt mit dem Finger auf die Netze, die die Kambodschaner gerade versuchen vor uns zu verstecken. Wir sind aufgebracht und können uns nicht verständigen. Bot bleibt ganz ruhig. „Gentle“, sagt er. Denn so funktioniert hier die Welt. Man ist erstmal nett zueinander, lächelt und druckst herum anstatt auf den Punkt zu kommen. Die Fischerfamilie packt ihre Töpfe zusammen, sammelt die Muscheln auf, die wir ihnen nicht abgekauft haben und ich sitze dort und finde keinen Sinn. Jeder redet durcheinander, keine Absprache, nur ein Versuch.
Es gibt Regeln. Irgendwo festgelegt, blitzen sie höhnisch in dem Lachen der Fischer. Sie sind arm, sie sind hier Zuhause und sie sind so „gentle“, dass mir schlecht davon wird. Dann wird mir am nächsten Tag bewusst, dass wir immer alles besser wissen und schiebe die Schrimps beim Essen ein bisschen weiter von mir weg.

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Der Gouverneur trägt heute Jogginganzug. Seine Bodyguards beäugen uns. Ob es ist weil ich blond bin oder weil ich so unglaublich gefährlich aussehe? In Kambodscha stößt man beim Trinken alle 10 Sekunden an. Ich nippe um 14.30 an meinem Bier.
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Auf dem Boot stapelt sich das Proviant und die Wellen schlagen Furchen in die Wasseroberfläche. Wenn er sich bewegt, ist da nichts von einem Rhythmus. Jeder seiner Schritte spielt dagegen, jeder seiner Handbewegungen ein bisschen zu stark, ein wenig zu fordernd. Hier trägt niemand Samthandschuhe, die See ist rau, das Lied vom Leben auch. Er tanzt gegen die Choreografie, ist ihr vielleicht sogar immer einen schnellen Schritt voraus. Ich sitze dort und sehe ihm dabei zu, wie er sich selbst viel zu ernst nimmt und alles andere zu leicht. Die Sehnen unter der dunklen Haut spannen sich, die Lippen leicht aufeinandergepresst. Er singt ein trauriges Lied. Wenn er dort sitzt, ist er klein. Ich schaue auf seine Wange, die Stelle wo sie zum Auge übergeht und sehe mir all seine Narben an. Striche und Risse die sich über seinen jungen Körper ziehen. Sie haben kein Muster, es ist keine Karte, nichts was ihn bestimmt, nichts was ihn erklärt. Sie sind Teil aber keine Definition und man steht ratlos, weil man weiß ohne zu verstehen. Er trägt sie mit Stolz aber seine Stimme ist schwach wenn er im brüchigen Englisch von ihnen erzählt.
Ich will so viel sagen, sagt er und winkt dann Richtung Meer ab. Es ist okay, antworte ich.

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Danke an “Marine Conservation Cambodia” für die schöne Zeit.

www.marineconservationcambodia.org/


 

Thakhek Loop

Zuhause ist ein Gefühl.
Manchmal, und das sind die besten Momente, bist Zuhause nur du selbst. Alles Gesehene, alles Gefühlte, alles Gute, alles Gewonnene, jedes Stück, gehört dorthin. Zwischen deine Rippen, hinter deine Stirn, in deinen Blick, bis zu den Zehenspitzen. Du trägst dein Zimmer bei dir, deine Küche, deine Familie, deine Sorgen, deine Träume. Und nichts davon ist zu schwer.IMG_4040

Ich blicke den Berghang hinunter und sitze auf einmal im 934. Ich stelle mir vor wie es Zuhause aussieht. Wie ich dort sitze und das Stadium an mir vorbeifliegt, die Kastanienbäume und aufgeräumten Vorgärten. Überall sind blonde Menschen und im Sommer, wenn die Sonne tief steht, lachen wir. Doch heute weht die Wäsche im Wind und der Hund läuft über die Straße und überall wirbelt Dreck auf. Staub; orange, braun, grau. Am Straßenrand stehen Plastiktische und die Hitze brennt und ja, in mir drin geht heute die Sonne nie unter.
Auf dem Weg nach Thakhek lernen wir drei Franzosen kennen, eine Amerikanerin, eine Norwegerin und einen Deutschen. Mit acht Motorrädern geht es für vier Tage „on the road“; den Thakhek Loop bezwingen.
Die Landschaft wechselt, baut sich auf. Erst die überhitzte vielbefahrene Straße aus Thakhek hinaus, die Häuser am Straßenrand (für die man seine Definition von „Haus“ überarbeiten muss), grüne Berge im Hintergrund über denen die Gewitterwolken hängen. Dann Dörfer in denen die Jugend Fußball spielt, das Fleisch auf dem Grill liegt, Benzinkanister gestapelt werden und eine Straße die sich kurvig um einen Damm windet. Grün zu allen Seiten, das Gas durchgedrückt. Oranger Matsch klebt noch immer an unseren Schuhen. Dann abgebrochene Baumstämme im Wassergraben, ganze Seen im Hintergrund. Wir parken unsere Motorräder bei „Phosy Guesthouse“, in den Hängematten auf unseren Holzterrassen öffnen wir das erste „Beerlao“. Die Sonne geht unter. Zumindest dort draußen.IMG_4035 IMG_5014 IMG_5004 IMG_5006 P1120486 IMG_5075 P1120495 P1120501 P1120507 P1120510

Der Thakhek Loop liegt im zentralen Laos und ist so ziemlich das Einzige was man in dieser Gegend zu tun hat. Startpunkt ist für viele die Travelers Lodge, die wir trotz guter Anbindung an den berühmten Mr.Ku Motorradverleih nicht empfehlen. Mr.Ku dagegen ist eine Legende und keiner von uns hatte Probleme mit seinem Bike. Nach ein paar Testrunden auf dem Hof kann es auch schon losgehen (Mit Versicherung kosten die Chinesen 70.000kip und meine Honda 110.000kip pro Tag). Die Travelers Lodge ist überteuert, das Personal unfreundlich und der Lieblingssatz bezüglich jeder Frage lautet „We no have“.
Zum Loop selber lässt sich sagen, dass er absolut lohnenswert ist. Die Natur und die Straßen sind super, es gibt viel zu sehen und wenn man ein wenig langsamer fährt, bekommt man auch alle Eigenarten der Bewohner am Straßenrand mit; Minischweinchen, pinkelnde Höhlenführer, Wasserbüffel, winkende Kinder, kochende Frauen (manchmal will man nicht wissen was da im Topf schwimmt).
Blogs von 2012 sind zu diesem Thema komplett veraltet. Die Straße ist mittlerweile bis auf einen Abschnitt von 30km super ausgebaut und gut zu befahren. Die übrigen 30km könnten zur Regenzeit dramatisch werden, ansonsten: Staubmaske auf und los geht’s!IMG_5030 IMG_5000 IMG_3927 IMG_3923 IMG_4026 IMG_3910 IMG_3916 IMG_3893 IMG_3860 IMG_3862 IMG_3848 IMG_3844 IMG_3851Fotos u.a. von: Felix, Morgane und mir

 

Luang Prabang

Warum Essen für 1 Euro klasse, Wasserfall nicht gleich Wasserfall, ein Film manchmal Muss ist, Mönche auch nur Menschen sind und wir gerne Backpacker beobachten in: Luang Prabang.

Essen für 1 Euro ist weltklasse. Das liegt nicht daran, dass es besonders gut schmeckt oder an der Auswahl oder daran, dass wir es unbedingt nötig hätten. Aber Essen für einen Euro ist nunmal Essen für genau 100 cent. Weißt du, was das bedeutet? Das bedeutet sehr wenig Geld und ist das nicht die Definition vom Backpackerleben? Mit wenig Geld Großes meistern?
Essen für 1 Euro bedeutet aber auch, Großes zu entdecken. Wer setzt sich schon gerne in ein teures Restaurant, bestellt den größten Fisch und ist enttäuscht, weil er einfach scheußlich schmeckt? Und das Ganze für eine Menge Asche! Wer sich aber traut in die tiefsten Gassen zu laufen, sich an den kleinsten dreckigsten Plastiktisch zu setzen und sich für 50 cent eine Nudelsuppe bestellt, die schlechthin die Offenbarung seines Lebens ist, der ist ein Held. Und Helden wollen wir sein.
Schlechtes 1 Euro Essen in Luang Prabang: Das Vegetarische Büffet. Trotzdem ein Muss für Budgetreisende.IMG_4924 IMG_4923 IMG_4925

Wasserfall ist nicht gleich Wasserfall. Das wissen wir nun. Wer es satt hat stundenlang den gleichen Regenwaldweg in tropischer Hitze entlangzugeistern um dann vor einem Wasserfall zu stehen, sich „Mh, cool, ein Wasserfall“ zu denken und dann umzudrehen, für den sind Kuang Si Falls nähe Luang Prabang genau das Richtige.
Um die größten Touristenmassen zu verpassen, geht es vor 10 Uhr mit dem Tuk Tuk los.
Wie teuer das Ganze ist? 60.000kip each.
„That’s too much.“
„40.000“
„No, 25.000“
„30.000“
„Okay.“
Alles eine Frage des Durchhaltevermögens.IMG_4882 IMG_4860 IMG_4865 IMG_4859

Luang Prabang ist UNESCO World Heritage City. Warum ein Film manchmal trotzdem besser ist, als weitere drei Stunden die Stadt zu entdecken? Weil man irgendwann die ganzen hübschen Tempel, Aussichtspunkte und Gassen satt hat. Manchmal muss man sich einfach auf den Boden lümmeln, die Cracker auspacken und „Grand Budapest Hotel“ mit vier Nationen gucken. Am Besten geht das im „L’etranger Books and Tea“; Ein Buchladen und Restaurant, das sich ab 19 Uhr Abends in ein kleines Kino verwandelt.IMG_4848 IMG_4842 IMG_4830 IMG_4824 IMG_4841 IMG_4821 IMG_4897 IMG_4899 IMG_4905 IMG_4910 IMG_4912

Dass Mönche auch nur Menschen sind, erfährt man am besten, wenn man sich mit ihnen unterhält. Wie oft ist man aber selbst als weltoffener Backpacker an einem vorbeigelaufen und hat nur ehrfürchtig den Kopf eingezogen und sich im Stillen gefragt: „Was ist das eigentlich; ein Mönch?“
Im „Big Brother Mouse“ kommen Laoten hin, um sich mit Volunteers auf Englisch zu unterhalten. Jeden Tag von 9 bis 11 und 17 bis 19 Uhr kann man sich dazu gesellen und eine Runde plaudern. Wer nichts zu tun hat und mal etwas anderes tun möchte, für den ist das eine schöne Gelegenheit. Und siehe da: So ein Mönch, der ist eigentlich ganz harmlos. Und manche von ihnen können Deutsch sprechen und heißen „Hans“. Man lernt nie aus.IMG_4910 IMG_4914

Backpacker beobachten. Oh ja, man kann Abende damit verbringen. In Luang Prabang am liebsten in der „Utopia Bar“. Irgendwie sind wir doch Alle gleich.

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And eat and eat and eat

“In Vietnam rollen wir alles”, sagt Binh in Da Lat und rollt die Frühlingsrolle.
„Ich roll mich gleich nach Hause.“
Und das ist wirklich das Beste, was man in Vietnam tun kann. Und überhaupt. Was wäre reisen ohne essen? Was wäre das Leben ohne Pasta? Ohne Curry? Ohne Wassermelone?
Natürlich zieht keiner in die große weite Welt, nur um zu essen. Obwohl ich mir da nicht mal so sicher bin. Ich sehe mich nämlich schon Zuhause sitzen und denken „Jetzt wäre ich gerne in Bangkok in dem kleinen Restaurant und würde Tom Yum essen oder mir am nächsten Straßenstand Banh Mi zusammenstellen.“ Ob nun Hauptgrund hin oder her: Essen ist ein Muss. Egal wie man es dreht (oder rollt), keiner kommt daran vorbei.
Das kulinarische Da Lat
1.Banh Trang Nuong – Da Lat Pizza
Als wir „Happy Homestay“ verlassen, geht es nur ein kleines Stück den Berg runter. Laut Binh müssen wir unbedingt die Da Lat Pizza probieren und würde das in Deutschland nun jemand sagen, wüsste man ungefähr, was einen erwartet. Binh aber bleibt auf einmal mitten auf der Straße stehen und deutet auf winzige Plastikstühle die noch jede zuvor gesehene Größe unterbieten. Wir drapieren sie um das „Ding“ herum, das ein Grill ist- nur halt auf Vietnamesisch. Eine Betonschüssel also in der das Zeitungspapier schmort und die Kohle raucht und eine Frau mit angezogenen Knien dahinter sitzt und Pizza backt. Da Lat Pizza besteht aus Ei und Reispapier und wird frisch zu einem Kreis gegossen. Darauf schnibbelt die Vietnamesin Wurst und das was so grün ist, keine Angst, das ist nur Schnittlauch.
2.Nem Nuong – D.I.Y. spring rolls
Wer hätte gedacht, dass das so einfach ist? Einfach rollen, ehrlich, mehr muss man nicht. Salat, Minze, grüne Banane, Wurst, frittiertes Reispapier, Möhren und Gurken werden auf den Tisch gestellt. Dann noch Soßen (oft Erdnuss, oft Chilli) und natürlich das frische Reispapier. Beladen wie ein Wrap und eindrehen. Fertig.
3.Chè- Vietnamese desert
Könnten Mangas essen, sie würden Chè schon frühstücken. Das Desert besteht aus Gele, Kokosnussmilch, Sticky Rice, seltsamen Bohnen und allerlei anderem Süßzeug. Wenn das nicht Klischee asiatisch ist, dann weiß ich auch nicht. Gibt es fast an jeder Straßenecke in unterschiedlichen Versionen. Unbedingt einmal zu den Locals quetschen und auslöffeln.
4.Vietnamesischer Bäcker
Wer schonmal in Australien war, kennt und liebt sie. Wer allerdings Vollkornbrot erwartet, liegt falsch. Hier ist alles aus Zucker, selbst wenn es herzhaft ist.
5.Vietnamesischer Kaffee
Wer hätte gedacht, dass so etwas existiert? Für alle Kaffeeliebhaber und auch für solche, die jetzt das Gesicht verziehen: Wer in Vietnam war und keinen Cap he getrunken hat, ist nicht wirklich gereist. Die Vietnamesen sitzen zu jeder Tageszeit am Straßenrand und lassen den Kaffee durchtröpfeln. Der Geschmack ist einzigartig, bitter und süß, voll und klebrig. Auch mit süßer Kondensmilch oder Iced zu haben.
6. Pho (suppe mit Beef)
Eine Suppe mit Reisnudeln, oft auch mit Sojasprossen, Gewürzen und meistens mit Rind. Wer Geld sparen möchte und das richtige Vietnam kennenlernen, setzt sich morgens bitte in eines der miesesten aussehenden Straßenrestaurants und schlürft die Suppe mit den schmatzenden Einheimischen zusammen. Hier ist es egal, ob die Nudeln zum hundertsten Mal die Stäbchen verlassen und die halbe Brühe auf deinem Shirt landet. Meist wird dir zur Pho noch reichlich Salat oder Minze, Chilli und Limette gereicht. Einfach von allem was reinwerfen. Mehr als 1,50 Euro solltest du dafür nicht bezahlen müssen und irgendwann kann man fast gar nicht mehr ohne. Auch nicht morgens.
7.Sua bap
Heiße Milch mit Honig als Kind geliebt? Dann lauf Abends durch Da Lat und kauf dir Sua bap. Hier ist es nämlich cool heiße Milch mit unterschiedlichen Geschmackssorten zu trinken. Wir lieben die mit „Corn“ (Mais). Perfekt als Nachtisch, der nicht so schwer im Magen liegt und dich auch nicht an Mangas denken lässt.IMG_4760 IMG_4780Das kulinarische Hoi An

1.Der Markt

Lunchtime. Wer den ganzen Morgen mit dem Fahrrad die Stadt erkundet, will was essen. Möglichst günstig, möglichst gut. Der Markt in Hoi An ist perfekt dafür. Wir haben es genossen. Die paar Essensstände sind übersichtlich und es ist nett dort zu sitzen und dem Treiben und Kochen zuzusehen. Du kannst dir Reis mit verschiedenen Zutaten zusammenstellen, Fruit Shakes trinken, Frühlingsrollen drehen und dir aus den Karten vietnamesische Spezialitäten wie „White Rose“ herauspicken. Und das alles für 1 bis 2 Euro. Herrlich. Also rauf auf die Metallbänke und ausprobieren!

Wenn man Glück hat, verständigt man sich mit Händen und Füßen, lacht viel und bekommt zum Schluss noch begeistert das helle Pfötchen geschüttelt.

2.Nu Eatery
In einer kleinen Seitengasse auf einem winzigen Balkon sitzen und auf Wäscheklammern und bunte Lichter blicken, während man mal etwas andere (auch etwas teurere) Reisgerichte probiert? Geht in „Nu Eatery“. Essen schmeckt sehr gut und das Ambiente ist ein Muss für die Chiller und Gassenliebhaber unter uns.
3.Am Fluss (Cha Laou)
Streetfood 2.0
Richtung Brücke gibt es günstiges Streetfood, auch den vietnamesischen Klassiker “Cha Laou” für wenig Geld aber mit kleinen Holztischen am Fluss. Schön!
4.The Chef Dachterrasse
The Chef ist ein Restaurant über einem Buchladen. Was man von unten nicht sieht: es gibt eine Dachterrasse von der man über die Dächer Luang Prabangs blicken kann. Außerdem gibt es Krabbenchips oder Erdnüsse zu den Getränken. Fetter Bonus.
5.May Concept
May Concept liegt direkt gegenüber von „Nu Eatery“. Genau wie dort überzeugt hier die Atmosphere. Nicht viele Touristen verirren sich hierher. Es ist ruhig, die Klangspiele wippen im Wind und der Kaffee schmeckt gut. Einziges Manko: Fruit Shakes sind eindeutig zu klein.IMG_4018 IMG_4024 IMG_4027 IMG_4032 IMG_4061 IMG_4072 IMG_4075 IMG_4080 IMG_4142 IMG_4172
Das kulinarische Hanoi.
1.Cha Cha
In Hanoi ist die Hölle los. Abends trauen wir uns auf die Straße und probieren das berühmte „Cha Cha“. Besucht man das Restaurant (es gibt nicht viele davon), bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, denn es gibt dort nur dieses eine Gericht. Die Speisekarte dient lediglich der Getränkewahl.
Herd und Zutaten kommen auf den Tisch, dann kann es losgehen. Wie das genau funktioniert, so fragt man sich als rot anlaufender Tourist, erfährt man schon irgendwie. Man muss nur einmal verwirrt zum Nachbartisch schielen, schon steht der Kellner neben einem und nimmt einem die Stäbchen aus der Hand.
2. Ist das Beef, Chicken oder Pork?
Ganz ehrlich? Man weiß es nie. Vielleicht ist es Hund.

Motorradtour

Ich sitze auf einem Motorrad. Die Welt um mich herum schlägt Falten. Ich wüsste nicht wie ich es anders beschreiben sollte:
Zum einen die Landschaft, gebrochen und frisch, staubig und klar. Feldwege und Schotterpisten, entlang an Felsen und Berghängen, Reisfelder in grünen Nuancen und trockenem Nichts, Straßen gesäumt von Essensschildern und Rinnsale aus Menschen, zersprungen und gefügt wie sie ihrem Tag nachgehen.
Zum anderen der Blick, wie er sich wirft und stolpert, wie er vorbeirauscht und innehält. Wie er einsaugt und aussortiert. Gesehenes zu Gefühlen wird. Falte, um Falte, um Falte.
„You speak to me in words and I look at you with feelings.“
Der Knackpunkt. Die Welt hat keine Worte, wir geben sie ihr nur. Alles was ich sehe, formt sich zu Sätzen, Baustein auf Baustein. Ein Fluss, dann ein Tal, das aus Flüssen besteht. Mal heran zoomen, mal großes Kino. Berge die mal flacher, mal spitz in den wolkenverhangenen Himmel reichen und sich vor unseren Füßen betten, klein auf einmal, ganz weit. IMG_4694IMG_4754
Wir können das alles betiteln, in Worten verstecken, in Blogs schreiben, Strich um Strich und Linie um Linie, schwarz auf weiß. Es festhalten. Den Wind festhalten, wie er gegen den Helm drückt, die Kinder festhalten, die dort laufen und winken. Die Hände schmutzig, das Gesicht schweißbedeckt, die Kleidung bunt und in den Augen das Funkeln. Die Blicke festhalten, die uns die Einheimischen dann und wann zuwerfen. Sich nach unseren blonden Haaren umdrehen und uns beim Essen anstarren. Den Geruch von verbrennendem Müll in den Dörfern, das Fleisch wie es in der Mittagshitze auf dem Holztisch liegt. Und liegt. Und liegt. Der Propeller darüber, der sich beim Vorbeifahren so langsam dreht. Ich gebe mein Bestes, ehrlich. Aber manchmal bin selbst ich die Worte satt. Dann muss man da einfach mal stehen. Und erleben.IMG_4608IMG_4767IMG_4781Dann muss man sich an den Straßenrand stellen und die Hitze auf den Schultern tragen. Sich die Stirn halten, sich übergeben. Oder bei Sonnenuntergang das Pochen so laut hinter der Brust hören. Beim Kaffee trinken so wütend auf diesen Tourguide sein. Die Hmong sehen, wie sie ihre schweren Körbe kilometerweit die Straße hochschleppen, Häuser am Wegrand die einsam wirken und eigentlich zehn Leute beherbergen. Simples Holz vor riesiger Kulisse. Man muss das sehen, auf den Lippen schmecken, mit sich tragen, irgendwo aufbewahren. Bis es einem bis in die Fingerspitzen brennt, unter der Haut pulsiert und die Gedanken formt. Denn das ist es, worum es geht.
Man kommt nie gleich zurück, wenn man einmal geht. IMG_4479IMG_4568IMG_4711IMG_4561IMG_4776IMG_4779IMG_4780DCIM100GOPROGOPR1339.DCIM100GOPROGOPR1373.DCIM100GOPROGOPR1410.IMG_4765

Hoi An

Jemand schlägt mir mit aller Gewalt gegen die Schulter. Ich lasse die Schlafmaske auf, kneife die Augen zusammen und konzentriere mich darauf nicht aufzuwachen.
Nochmal. Noch stärker. Vielleicht ist es ja Madita, vielleicht ist irgendetwas passiert? Ich reiße mich hoch, ziehe die Maske einen Spalt breit ab und schaue nach links. Madita sitzt dort und tut nichts. Neben meinem Gesicht taucht eine Hand auf, die etwas in Plastik Eingepacktes unter meine Nase hält. Ich verstehe nicht sofort wie das alles miteinander zusammenhängt und kann auch nicht erkennen was sich unter dem Plastik befindet. Die Frau die zu der Hand gehört zu der das Plastik gehört, zetert ein bisschen vor sich hin und es fehlen nur noch wenige Millimeter bis das Plastik meine Haut berührt. Ich schüttele den Kopf, zu perplex um gehörig zurückzuschlagen oder eine angemessene Szene hinzulegen. Die restlichen 5 Stunden Fahrtzeit von Nha Trang nach Hoi An mach ich kein Auge mehr zu. Die Sonne geht über den Reisfeldern und Bananenpflanzen auf, erst schüchtern und neblig, dann immer greller. Der Zug rattert dahin.
Ich frage mich, was wohl in dem Plastik eingepackt war. Manchmal frage ich mich das noch heute.
Der Zug hält in Da Nang, wir schleppen unsere sieben Sachen zum Ausgang und wollen den Bus nehmen. Der hält aber nicht hier sondern sonst wo. Ein Vietnamese dessen Alter ungeklärt bleibt und der aussieht wie ein Ninja, murmelt etwas durch seine Mundmaske. Wenn ich richtig verstehe, bezahlt er das Taxi zur Bushaltestelle für uns mit, weil auch er dorthin muss. Fantastisch, da sagen wir nicht nein.
Der „Local Bus“ gestaltet sich etwas anders als der in unserer Heimat. Hier müsste selbst die Frau mit Rollstuhl fix hineinspringen oder könnte es ansonsten sofort vergessen. Der Mann an der Hintertür schreit, der Bus fährt minimal langsamer. Er nähert sich dem Bürgersteig, die Tür öffnet sich, ich sehe Füße die rennen und eine Tüte mit Salat fliegt durch die Luft. Der Mann an der Tür streckt die Arme aus, grün und Plastik vor Häuserwänden, ein Moment, ein Bild nach dem anderen. Dann plumpst die Tüte am Mann vorbei auf den Asphalt. Auch die Füße und der dazugehörige Mensch schaffen es nicht. Ich stelle mir vor wie ich mit meinem Koffer aussteige, der aussieht wie mein persönlicher Schildkrötenpanzer. Nervös blicke ich abwechselnd aus dem Fenster und auf meine Karten-App.
Hoi An beginnt wie viele andere vietnamesische Städte mit vielen Seitengassen, bunten Häusern, abgeblichen jedoch, etwas bröckelnd, die Vorgärten etwas zu unordentlich, die Seitenstraßen Blick gebend auf spielende Kinder, Hunde, Motorräder.
Wir steigen am Busbahnhof aus. Kein springen also- ich atme aus.
„Jolies Homestay“ erreichen wir zu Fuß. Lila Blumen hängen von Bäumen über dem Bürgersteig und die ganze Familie tummelt sich in der Küche während wir frühstücken. In einem Zimmer dessen Badezimmerwand verglast ist, verbringen wir die nächsten 5 Nächte.
Hoi An wird dir von jedem vorgeschlagen werden, den du in Vietnam triffst. Doch viele Backpacker stehen erstmal etwas verwirrt zwischen den europäisch anmutenden Gassen und fragen sich wohin. Bis hierhin haben sie es geschafft. Hoh-Chi-Minh-City haben sie überlebt, die Dschungeltouren und Fahrradtouren mit waghalsigen Fahrstil hinter sich gelassen, mit dem Motorrad Schlaglöchern ausgewichen und sich auf vietnamesischen Märkten die Ohren zuschreien lassen. Aber Hoi An überfordert. Denn Hoi An wirkt wie ausgestanzt aus einer anderen Urlauberwelt. Allerdings vor abermillionen vor Jahren, so perfekt alt und geheimnisvoll wie das gelb der Häuserwände leuchtet. Hier wirkt alles etwas zivilisierter, etwas langweiliger vielleicht, etwas ruhiger. IMG_3951 IMG_3953 IMG_4003 IMG_3965 IMG_4019 IMG_4021IMG_4039 IMG_4070 IMG_4072 IMG_4053 IMG_4061 IMG_4075 IMG_4082 IMG_4084 IMG_4109 IMG_4125 IMG_4130 IMG_4134 IMG_4142 IMG_4144 IMG_4146 IMG_4172 IMG_4168

Wir sind nicht überfordert, werfen uns in die gewohnten Muster und steigen auf die Fahrräder, die es bei Jolies Homestay kostenlos gibt.
Wenn wir Richtung „Vegetable Village“ fahren, ändern sich die Straßen. Was groß war, wird klein und friedlich. Die Straßen eng und sandig, die Felder dafür weiter und auf den Pflanzen und Teichen liegt ein Schimmer Nachmittagssonne. Die Pedalen quietschen. Abends leuchten im City Center überall Laternen und wir blicken von weit oben auf die Häuserdächer.

Da Lat nach Nha Trang

Ich höre meinen eigenen Atem. Er schlägt mir gegen den Hals und pocht in meinen Ohren. Nur noch um die nächste Kurve, nur noch die eine. Ich trete für eine Sekunde etwas kräftiger in die Pedale und keuche.
Von Da Lat nach Nha Trang geht es fast nur bergab. Aber auch nur fast. Die 20 Prozent die bergauf gehen hassen wir mit vollem Herzen. Ich starre auf den Asphalt und fluche innerlich.
Irgendwo hinter mir ist Madita, aber ich sehe sie nicht mehr. Ich hab kein Bock mehr. Will absteigen. Ich steig einfach ab. Ich tus. Und wenn ich schieben muss. Wie bin ich auf die Idee gekommen irgendwann mal mit dem Fahrrad reisen zu wollen? Niemals. Niemals werde ic… Hier oben wechselt das Klima, als ich die nächste Kurve umrunde und die Beine entspanne. Der Fahrtwind ist nun heiß. Zwischen den Bergen, die auf einmal neben mir emporragen, das Tal entlang am Horizont, glaube ich das Meer zu sehen.IMG_3932 IMG_3936 IMG_3938 So bin ich auf die Idee gekommen. Ich lächle.
Und weiß noch nicht, dass es ein paar Kurven weiter wieder bei 35 Grad bergauf geht.

 

Sonstiges zu Da Lat und Nha Trang:

  1. Wer in Da Lat “happy” unterkommen möchte, kann sich den Typen in der Mitte schnappen und im “Happy Homestay” übernachten. Alles ein bisschen rosa aber günstig und glücklich. Peter und Henning zeigens:IMG_3923
  2. Eine Foodtour gibt es bei Mr.Happy (Binh) oft dazu. Und wenn nicht, dann auf jeden Fall die passenden Tipps.
  3. Fahrradtour über Passion Da Lat. Tour war gut, Anbieter gibt es reichlich.
  4. Nha Trang:  Macht es wie wir: Ohne duschen nach einer Fahrradtour in den Zug steigen der über Nacht nach Hoi An fährt. Am besten noch ohne Bett sondern die Soft oder Hard Seats. Dann ist die Disaster-Nacht komplett, in der euch als kleines Extra eine Frau gegen die Schulter schlägt, um euch anschließend Reispapier unter die Nase zu halten oder ein Mann seine nackten Käsefüße auf eure Lehne drückt. In Nha Trang gibt es wohl auch nicht mehr als das zu sehen. Nur mit Meerblick.

Ho-Chi-Minh-City

Nachts sind die Straßen noch voller. Die Hitze steht zwischen den Gassen. Vietnams Bangkok trumpft mit noch mehr; noch mehr Chaos, noch mehr Motorräder, noch höher und noch weiter. Verschachtelt und zerschunden steht die Metropole stolz im Süden Vietnams. Häuserwände tapeziert mit Fetzen, Werbeplakaten und Essensschildern. Die Stände stehen auch hier in jedem Winkel, doch das Essen darauf ist anders als in Thailand. Logisch. Ein neues Abenteuer beginnt.IMG_3895 IMG_3894

Was denkt man von Vietnam bevor man losfährt? Ich denke am Flughafen erstmal nichts, außer an AirAsia und daran, dass ich noch ein bisschen älter werden will. Doch wenn man nur „Vietnam“ denkt, dann tauchen dort provisorische Bilder vom Vietnam-Krieg auf, von Armut und Menschen, die so viel anders sind als wir selbst.
Wir haben nicht viel Zeit. Drei Wochen mögen lang wirken, doch wenn man keinen Marathon hinlegen will, kann man nur einzelne Stationen mitnehmen. Beginnend in Hoh Chi Minh (Saigon) merken wir schnell, dass auch Vietnam nicht zu verallgemeinern –und der Vietnamkrieg genauso fern wie nah ist.
Hoh Chi Minh City schläft nicht. Auf dem Asphalt im Park inzwischen von Häuserwänden, in dieser Schlucht umkreist von unzähligen Mofas und dem Echo der Hupen, fahren Kinder Inliner und spielen Federball, weil die Hitze nun ertragbar geworden ist.
Mittags stolpern wir über die ungleichmäßigen Bürgersteige und versuchen nicht überfahren zu werden bei dem Versuch eine Kreuzung zu überqueren.
„Seriously man, why don’t you have rules for driving?“
“Well, in theory we have”, der Vietnamese lacht. Aber das Leben in Vietnam ist nunmal nicht theoretisch.

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Vielleicht sind die Vietnamesen auch einfach zu cool dafür -oder zu faul. In der Mittagshitze laufen wir durch die Straßen und wollen uns am „Banh Mi-Stand“ ein vietnamesisches Sandwich kaufen; die Frau dahinter hat in ihrem kleinen Stuhl die Beine ausgestreckt und schläft. Der Friseur nebenan (nur ein Plastikstuhl am Straßenrand und ein Spiegel an der Wand) sitzt selbst darin und hat die Augen zu.
Etwas weiter hinten stehen vier Männer und gestikulieren wild. Zwei von ihnen halten Hähne in den Händen, beugen sich über sie, packen ihre Federn und gießen Wasser über die Schnäbel. Ein Hahnenkampf in einer 7,396 Millionen-Stadt (2010). Dahinter laufen Menschen aus einem Supermarkt.

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Alles hupt. 24 Stunden am Tag. Es hupt auch als wir von einem“ Pubcrawl“ nach Hause laufen, ohne für ihn bezahlt zu haben. Ehrlich, als Mädchen zu reisen hat auch seine Vorteile. Und Vietnamesen sind gar nicht so anders als wir.

Same same but different.

Aber dazu später mehr.

Darum.

Ich sitze am Bürgersteig. Durchbrochen von Baumwurzeln, Stufen und Gittern, bahnt er sich seinen Weg durch Chiang Mai. Irgendwo noch die Musik, jetzt nur noch dumpfer Bass hinter meinen Rippen. Ich hab die Arme auf den Knien, den Nacken zum Himmel, an dem man nichts sieht. Ich hab jemanden neben mir sitzen, der mir sein Leben erzählt. Ich hab den Asphalt unter meinen Flip Flops und neue Worte auf den Lippen. Weil sich deine Stimme ändert, wenn die Welt um dich herum es tut. Er erzählt von jahrelangem reisen, von einem Hostel auf hoher See. Von Geschäftsideen und Blogs und einem Finnen mit einem Haufen Ideen. Wir sitzen dort und lassen die Mücken unsere Fußgelenke zerstechen. Ich schaue mir das Rinnsal Dreckwasser an, das in den Gulli fließt, die kleinen Risse in der Straße, den Dreck zwischen den Fugen.
Und hab mein erstes Warum.

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