Ein Tag in Bangkok

Als wir aus dem Flieger steigen, ist es heiß. Die T-Shirts kleben an Bauch und Rücken und die Taxischlange vor uns ist so lang, dass sich das so schnell nicht ändern wird.
Wir ziehen unser Ticket und stehen verwirrt am Straßenrand. Unser Taxifahrer kommt, macht Witze über mein Gepäck und ignoriert meine Fragen zum Preis. Thailänder sind unheimlich gut darin ihre Sprachprobleme zu ihrem Vorteil zu nutzen.
„Do you drive with taximeter?“
„700Bath, yes yes, take you, yes yes. Okay.”
Alles klar.
Ich gebe auf und will mich anschnallen aber das scheint hier uncool zu sein, denn Gurte gibt es zwar aber keinen Anschnaller. Also mit 100 km/h und einem telefonierenden Thai über die Autobahn nach Bangkok. Am Rückspiegel baumeln tausend Anhänger von Königsbildern und buntem Allerlei.
Wir akzeptieren die Tatsache, dass ständig und ohne zu blinken von rechts nach links gewechselt wird und so nah an einen Stau rangefahren wird bis quasi nichts anderes mehr übrig bleibt als auf die Gegenfahrbahn zu wechseln.
Klasse, denke ich mir, da kann ich auch gleich Roller fahren. Und grinse trotzdem. Das ist neu, das ist anders, das ist genau das, was ich sehen will.
In Bangkok, Khao San Road, betreten wir unser Hostel, nachdem wir unsere Schuhe ausziehen mussten. Das tut man hier fast überall. Auch an den Orten, wo man es nicht unbedingt will.
In unserem Zimmer läuft Nachts die Klimaanlage. Wir kaufen uns Wasser. Dann schlafen wir. So spannend kann backpacking sein.
In Bangkok kann man vieles tun, als Reisender aber vor allem eins: staunen und ausweichen. An jeder kleinen, winzigen, mickrigen Ecke gibt es Essen. Der Thailänder braucht nicht mehr als einen Quadratmeter (wenn überhaupt) um dir dein Abendessen zu zaubern. Dann muss jeder für sich entscheiden ob er es appetitlich findet, wenn direkt neben einem die Teller mit kaltem Wasser gespült werden, Soßen in Tüten in der prallen Mittagshitze schlummern und Dinge wie Handschuhe ein Fremdwort sind. Wir finden schon.
Ausweichen muss man vor allem vor Tuk Tuks, Shirts-anprobierenden Thais, Kochlöffelnl, Taxis, Taxifahrern mit Schildern, Promoter die Kussgeräusche machen, schwitzenden anderen Backpackern, Hunden, schlafenden Köchen und Pfützen mit Substanzen die man nicht kennen möchte (aber ab und zu den Flip Flop drin versengt).
Tuk Tuks sind klasse, denken wir und wollen damit die Stadt erkunden.
Wir versuchen es. “40B”, sagt er. “Was solls”, sagen wir – und steigen ein.
Zwei Straßenecken, geradeaus, über einen Fluss und plötzlich hält der Fahrer, dreht sich um und erzählt in brüchigem Englisch, dass er uns zu irgendeinem Shop fährt weil „Groupon Groupon! I get Groupon. You Tempel. I Groupon. There there and there. See. Groupon.”
Ich gucke auf die zerfledderte Karte von Bangkok auf die der Mann zeigt und schüttel den Kopf.
„We do not want to see any shops or buy anything. We want to see the temples.”
“Groupon!”, ist die entrüstete Antwort und ein energisches Fingertippen auf den Ort folgt, wo der Shop sein soll. Wir steigen aus und es folgen weitere Versuche bis wir verstehen, dass die lieben Tuk Tuk- Fahrer sich bei den Läden „Groupons“ abholen (hat er doch gleich gesagt!), also Geld dadurch verdienen dass sie dort Touristen hinbringen. Es ist mühsam. Es ist heiß. Im Hostel surrt die Klimaanlage über unseren Köpfen bevor wir uns wieder hinauswagen und in das nächste Tuk Tuk steigen.
„One shop, nothing more.“
„Yes Yes.“
Denkste.

Tuk Tuk-Fahrer sind gewitzte Leute. Fahr Taxi oder lauf. Von mir aus krieche zu den Tempeln aber steige niemals, niemals, niiiemals in ein Tuk Tuk.
Wir verbringen circa eine Stunde in drei Geschäften, lassen uns Kleider zeigen und Stühle werden zurückgerecht. Ein Reisebüro in das wir kutschiert werden, besteht aus 4 dunklen Holztischen hinter denen gelangweilte Thailänder sitzen. Eine Frau hat ihre Tochter auf dem Arm. Alle tun irgendwas aber ich glaube keiner dort könnte dir einen Zug buchen. Ein Mädchen spielt mit ihrem Handy, das Licht ist dämmrig und der Mitarbeiter der uns bedient, sagt alle zwei Minuten „I have idea!“ und tippt in seinen Taschenrechner.
Abends essen wir Tom Yum Suppe und Pad Thai und sitzen unter einem Mangobaum. Ein Frosch hüpft vorbei. Es ist warm, der Beton hat Sonne getankt, wir sind müde und glücklich. Zurück im 20-Mann-Zimmer lachen wir über die 46 Cent, die wir dem Tuk Tuk-Fahrer bezahlt haben.

To do’s:
-Maracuja-Saft trinken
-Außergewöhnliches Essen probieren
-Ghost Tower (geheimer Aussichtspunkt)
-Abends das verrückte Nachtleben kennenlernen
-Seitengassen erkunden (Nicht selten ist dort plötzlich eine tolle Bar)
-Massieren lassen (egal wo in Thailand)
-Tuk Tuk inklusive deinem ersten Streit mit einem Thai
-Tempel angucken (auch wenn nicht besonders spektakulär verglichen mit manch anderen in Thailand, wird einem beim Betreten eines Tempels bewusst, wie gegensätzlich diese Stadt ist)

 

Beispielhafte Ausgaben pro Person:
-Flughafentaxi: ca.7-10 Euro
-Hostel für 3 Nächte: 33 Euro
-Floating Market Tagesausflug: 7-12 Euro
-Tuk Tuk: 0,23 Cent
-Frühstück: 2 Euro
-Abendessen: 3-6 Euro
-Bier: nada, vorausgesetzt du bist ein Mädchen
-Zug nach Koh Tao: 36 Euro (Bus und Boot enthalten)

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