Motorradtour

Ich sitze auf einem Motorrad. Die Welt um mich herum schlägt Falten. Ich wüsste nicht wie ich es anders beschreiben sollte:
Zum einen die Landschaft, gebrochen und frisch, staubig und klar. Feldwege und Schotterpisten, entlang an Felsen und Berghängen, Reisfelder in grünen Nuancen und trockenem Nichts, Straßen gesäumt von Essensschildern und Rinnsale aus Menschen, zersprungen und gefügt wie sie ihrem Tag nachgehen.
Zum anderen der Blick, wie er sich wirft und stolpert, wie er vorbeirauscht und innehält. Wie er einsaugt und aussortiert. Gesehenes zu Gefühlen wird. Falte, um Falte, um Falte.
„You speak to me in words and I look at you with feelings.“
Der Knackpunkt. Die Welt hat keine Worte, wir geben sie ihr nur. Alles was ich sehe, formt sich zu Sätzen, Baustein auf Baustein. Ein Fluss, dann ein Tal, das aus Flüssen besteht. Mal heran zoomen, mal großes Kino. Berge die mal flacher, mal spitz in den wolkenverhangenen Himmel reichen und sich vor unseren Füßen betten, klein auf einmal, ganz weit. IMG_4694IMG_4754
Wir können das alles betiteln, in Worten verstecken, in Blogs schreiben, Strich um Strich und Linie um Linie, schwarz auf weiß. Es festhalten. Den Wind festhalten, wie er gegen den Helm drückt, die Kinder festhalten, die dort laufen und winken. Die Hände schmutzig, das Gesicht schweißbedeckt, die Kleidung bunt und in den Augen das Funkeln. Die Blicke festhalten, die uns die Einheimischen dann und wann zuwerfen. Sich nach unseren blonden Haaren umdrehen und uns beim Essen anstarren. Den Geruch von verbrennendem Müll in den Dörfern, das Fleisch wie es in der Mittagshitze auf dem Holztisch liegt. Und liegt. Und liegt. Der Propeller darüber, der sich beim Vorbeifahren so langsam dreht. Ich gebe mein Bestes, ehrlich. Aber manchmal bin selbst ich die Worte satt. Dann muss man da einfach mal stehen. Und erleben.IMG_4608IMG_4767IMG_4781Dann muss man sich an den Straßenrand stellen und die Hitze auf den Schultern tragen. Sich die Stirn halten, sich übergeben. Oder bei Sonnenuntergang das Pochen so laut hinter der Brust hören. Beim Kaffee trinken so wütend auf diesen Tourguide sein. Die Hmong sehen, wie sie ihre schweren Körbe kilometerweit die Straße hochschleppen, Häuser am Wegrand die einsam wirken und eigentlich zehn Leute beherbergen. Simples Holz vor riesiger Kulisse. Man muss das sehen, auf den Lippen schmecken, mit sich tragen, irgendwo aufbewahren. Bis es einem bis in die Fingerspitzen brennt, unter der Haut pulsiert und die Gedanken formt. Denn das ist es, worum es geht.
Man kommt nie gleich zurück, wenn man einmal geht. IMG_4479IMG_4568IMG_4711IMG_4561IMG_4776IMG_4779IMG_4780DCIM100GOPROGOPR1339.DCIM100GOPROGOPR1373.DCIM100GOPROGOPR1410.IMG_4765

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