Free Bicycle Tour

Trung lacht über meinen Namen. Sein Fahrrad schlenkert, er hat nur eine Hand am Lenker.
„Lou?“ versucht er es nochmal und ich antworte indem ich seinen Namen falsch ausspreche.
Trung ist Student und nimmt uns mit auf eine kostenlose Fahrradtour. Um Englisch zu lernen, erklärt er. Hinter uns folgen eine Australierin, eine Thailänderin und zwei Brasilianer (die noch immer nicht gut auf Deutschland zu sprechen sind). Ich schaue mich mehrmals nervös um, weil die Schlange sich so unsicher durch den vietnamesischen Straßenverkehr führt, dass einem davon schlecht werden könnte. Trung lacht. Er tut den ganzen Tag nichts anderes mehr.
Unsere Tour führt uns auf dem Boot zur „Carpenter Village“. Trung erklärt uns wie Schiffe gebaut werden, wie teuer sie hier sind und was man als Ehefrau in Vietnam tun muss. Nämlich auf Bäume klettern und eine Frucht mitbringen.
Aha. Ob wir einen Vietnamesen heiraten wollen? Ja eh, ich gucke den Baum hoch: jetzt eventuell nicht mehr.
Die Schiffsbaustelle unterscheidet sich nur minimal von denen in Deutschland. Natürlich tragen Alle Schutzkleidung, es liegt kein Werkzeug herum, kein Müll, keine Hunde, keine vietnamesischen Frauen in Hängematten.IMG_4197 IMG_4198 IMG_4199 IMG_4202 IMG_4209Weiter geht es über sandige Pfade vorbei an Flüssen und Wasserbüffeln, spielenden Kindern und trocknendem Reis auf Planen am Straßenrand zu einem Tempel. Hier wachen am Eingang Einhörner, die so aussehen wie man sich Einhörner vorstellt.
Nämlich so:IMG_4215

Trung erklärt viel. Frauen dürfen nur durch eine bestimmte Tür eintreten, also haben wir bereits gegen die erste Regel verstoßen. Er winkt ab.
„Why do men always have to use the left door?” …. Ha, na, da können nun alle emanzipierten Frauen um die Wette antworten.
„Because women are always…“
Mittags steht die Sonne hoch. Wir laufen kurz durch einen Garten, der aus Bananenpflanzen und Hühnern besteht. Am Ende des Gangs steht noch eine alte Badewanne und daneben werden wir Zeuge der Reispapierzubereitung. Die Frau hinter dem Herd lächelt bis in die faltenumrundeten, trüben Augen. Ich frage mich, was ihre Geschichte ist . Was war bevor ihre alten Hände das Reispapier gewendet haben? Als ich neben ihr stehe und das Reispapier mit dem Stock auflese, klatscht sie. Ich möchte wissen, ob ihre Geschichte einen Applaus wert ist. Und frage mich dann, welche Kriterien das entscheiden würden.
Wir sitzen auf asiatischen, kleinen Plastikstühlen und essen unser zubereitetes Reispapier. Ein paar Straßen und Häuser weiter weben Frauen eine Schlafmatte. Eine von ihnen ist 84 Jahre alt. Sie hockt dort so, wie ich keine drei Minuten sitzen könnte und schiebt in wiederkehrender Bewegung immer und immer wieder die Binsen zusammen. Wie lange macht sie das schon? Für eine Matte brauchen die Damen zwei Stunden, sie machen davon vier bis fünf Stück am Tag und verkaufen sie für 5 Dollar auf dem Markt. Der Raum ist hell, aus der Wand ragen Betonstufen, in einer Ecke liegt eine alte Puppe und von draußen schallt laute Hochzeitsmusik.

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Reisfelder, Häuser, Kuh am Wegrand und Iphone und Pferde um sie bei einer Beerdigung für den Toten zu verbrennen. Also nicht wundern, wenn mal einer anruft.

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