Koh Phanyam

Mehr Holzschaukeln als Einwohner.
Unser Weg zu diesem Ort gestaltet sich für Backpackerverhältnisse luxuriös. Wie bisher Vieles in einem Land, dessen Wechselkurs zum Euro so schlecht geworden ist, dass man sich trotzdem über die Preise ärgert. Hauptsächlich weil man dazu noch weiß, dass die Thais nur maximal die Hälfte von dem bezahlen, was wir blonden Deutschen dafür ausgeben.
Unser Weg also, – abschweifen war schon immer mein Ding- dieser Weg beginnt damit, dass wir von einem Minibus an unserem Bungalow-Park abgeholt werden. Der Fahrer hebt unsere Rucksäcke in den Wagen und wir fahren zu Johanna und Alican. Wir tun das, weil wir selbst bestimmen wohin wir fahren. Wir können das, weil wir den Minibus zusammen mit 6 anderen Deutschen gebucht haben. Einmal nach Ranong, bitte. Und zwar von der Haustür bis zum Hafen in drei Stunden statt einmal umzusteigen und den „public bus“ zu nehmen – für ungewisse asiatische Zeit. Erschießt uns, wir sind der Logik verfallen und lassen uns herumkutschieren statt den Daumen am Straßenrand rauszuhalten und uns den üblichen Backpackerumständen auszusetzen.
Es zieht fast ein bisschen hinter meinen Rippen, wenn ich daran denke. Aber in einem klimatisierten Bus zu fahren um auf ein Speedboot zu wechseln wenn es dann doch nur 20 Euro kostet, ist verlockend.
Auf Koh Phanyam auszusteigen, erinnert noch an die Zeiten in denen Thailand, wohl auch Koh Tao und Koh Samui so ähnlich aussahen. Alles ist simpel. Es gibt kein großes Aufsehen, kein Streichquartett, keine Trommeln, die unsere Ankunft verkünden. Wir sind einfach da, setzen ein Fuß vor den anderen und- dann bricht das Chaos aus.
Johanna steht dort hinten, irgendwer ruft „TAXI???“, Alican redet,ich versuche mit Alican zu reden, Madita zuckt die Achseln, Johanna hat eine Karte von einem Bungalow-Park in der Hand, zeigt mit der anderen freien auf die Karte der Insel.
„Da ist der Strand, nicht dort.“ Ich bin verwirrt, der Bungalow-Park, dessen Fotos uns ein Amerikaner mit dicken bunten Ringen an den Fingern hinhält, sieht gut aus.
Er lügt, weil er sagt, dass die Zimmer eigentlich 1000B kosten statt 400B. Es ist egal, alles ist egal, ich gucke Johanna an, dann Alican, dann sehe ich die Taxis. Der Amerikaner winkt sie heran; vier Motorräder. Mein Koffer wird in den winzigen Fußraum zwischen Lenker und Sitz gequetscht und ehe ich mich versehe, sitze ich hinten drauf.
Du kannst Thailand nicht ausweichen, wenn du mitten drin bist. Du kannst nicht deine eigenen Regeln befolgen in einem fremden Land, zumindest nicht alle davon und wenn auch nur indem du dich immer mehr vom Ort selbst entfernst.
Ich nicke Madita zu, dann bin ich weg. Ich versuche mir nicht vorzustellen wie ich im Rückspiegel aussehen muss. Ziemlich verkrampft vermutlich. Besonders wenn ich die Schlaglöcher sehe. Und dann die Geschwindigkeitsnadel.
Auf Koh Phanyam gibt es (noch) keine Autos, Straßen hier sind Wege, irgendwann erbaut und an manchen Stellen so hinterlassen, als hätte der Thai nach der Mittagspause keine Lust mehr gehabt, weiterzumachen.
Der Park (Starlight Resort) liegt am Meer, am Buffalo Beach, dessen Name auf Thai viel schöner klingt. Neben der Treppe die zum Strand führt, stehen Liegen aus Holz, palmenartige Bäume die Schatten spenden. Hängematten vor unserer Bungalowtür, Moskitonetz und ein offenes Bad. An Decke und Boden scheint die Sonne durch die Spalten. Das Meer ist kristallklar und weit. Draußen liegt ein Boot, das aussieht wie ein Wrack und eigentlich Schiffersboot ist.IMG_3728 IMG_3696 IMG_3707
Nur ein paar Meter rechts, am Strand entlang, finden wir eine Bar, die aussieht wie ein riesiges Schiff, mit Treibholz, Brettern und Stützen, Tauen und Nägeln zwischen Bäume und Land gebaut. Auf eine Art mit der Umgebung verästelt, dass sie fast unscheinbar wirkt, blass. Man kann überall sitzen, eine Schaukel wackelt ein bisschen im Wind, Treppen führen zu kleinen Sitzgruppen, von denen man das Meer sehen kann und der Barmann rollt sich gerade seinen Joint. Er trägt kurze enge Shorts und hat schwarze Haare, die in kleinen elektrisierten Locken zu allen Seiten stehen. Er lässt mein Dosenbier fallen, lacht hell und sagt „Sorrrryyyy.“

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Hippie Bar, Koh Phanyam, Thailand

Wir sitzen oben mit Johanna und Alican, die Sonne ist eben untergegangen, rot und orange und pink ist sie im Meer und hinter den Inseln von Myanmar verschwunden. Am Horizont nämlich liegt die Grenze und fast ist es, als wäre die Welt ganz klein.
Wir trinken Chang, das Bier mit den grünen und goldenen Elefanten auf Dose und Flasche. Das WLAN-Passwort ist „Hippie Hey“ und in der Kulisse tummeln sich fast nur Pärchen. Wir grinsen doof und rufen uns Sätze zu wie „Ich geh mal kurz ins Wasser, Schatz.“
Motorräder leihen wir uns bei TING, kein Pass wird verlangt, Helme irgendwo aus der letzten Ecke gezogen und uns schmunzelnd in die Hand gedrückt. Mein Sitz lässt sich nicht richtig schließen, die Hupe und der Blinker geht nicht. Auf Maditas Roller kleben Affen mit Sonnenbrillen. Großes Kino: Bei unserer ersten Fahrt tuckern wir mit 20km/h über Schlaglöcher und Sand. Bei jedem Blick in den Rückspiegel, muss ich lachen, weil Madita mit weißem Helm und der Haltung aussieht wie Mitte 70.

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Pärchen gibts in Thailand wie Sand am Meer. Muss gar nicht so schlimm sein.

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Auf einem der Wege kommen wir an einer Baustelle vorbei, die mit nichts weiter als Sandsäcken gekennzeichnet ist.
„Hä?“, sage ich, dann biege ich auf die orange, freie Fläche daneben ab und schüttele nur belustigt den Kopf. Thai-Style.
Die Bars hier sind leer, Koh Phanyam ist noch nicht so überlaufen und es ist Nebensaison.
Alles ist bunt, in jedem Restaurant in das wir gehen, kann man wahlweise auch auf bunten abgewetzten Stoffkissen auf dem Boden sitzen. Es stehen ein dutzend Gewürze auf dem Tisch, Girlanden und Lichter, Pflanzen und Tücher hängen an den Wänden.
Wir frühstücken viel im „Baan Nam Cha“ und im Ozean kann man Arme und Füße von sich strecken und sich treiben lassen.

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Absolutes Muss: Frühstück mit richtigem Brot und viel Liebe im Baan Nam Cha

IMG_3760 Das ist Koh Phanyam, der Ort an dem es mehr Schaukeln aus Holz als Einwohner gibt.
Wir sitzen auf einer und gucken dem zweiten Sonnenuntergang zu, während sich die Straßenhunde in die Wellen jagen und bellen.

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Am Straßenrand anhalten lohnt sich oft: Neben “Chicken Mama” kann man den Frauen beim knacken und trocknen der Cashew Nüsse zuschauen.

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Must dos:

  1. Schaukeln

  2. Vier Stunden am Stück rumliegen und lesen

  3. Baan Nam Cha besuchen (hier schmecken auch die Pommes super!), Pfannekuchen gibt es immer 2 pro Bestellung

  4. Unserer Meinung nach gut für Motorradfahranfänger; zwar keine guten Straßen aber echt nichts los

  5. Sonnenuntergang

  6. Hippy Bar am Buffalo Beach

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