Phang Nga

„PHANG NGA!“, schreit der Kerl. Ich schreie innerlich zurück. Ich weiß nicht, wer gesagt hat, Thais seien durchweg nette Menschen. Das stimmt so nicht.
Es gibt sie, die höflich lächelnden Thais, die Thais die für dich herumtelefonieren oder dir alles doppelt und dreifach erklären. Die dir eine schöne Reise wünschen, nachdem du deinen letzten Frucht Shake in Kho Tao bestellst. Aber der Thai, der mir gegenübersteht ist einer von der Sorte, die immer drei Lautstärkebalken überspringen und in einer Frequenz sprechen, die einem als Deutscher völlig schleierhaft ist.
„PHANG NGA!!!“, brüllt er uns wieder ins Gesicht und fuchtelt wild mit den Händen, ohne uns direkt anzugucken.
Wir stehen an irgendeinem Hafen, haben Kho Samui gerade verlassen und sind auf dem Weg nach Phang Nga. Eine Reise, die eigentlich von 8 bis 15 Uhr dauern sollte.
„Boah, ich weiß wohin ich will“, pampe ich auf Deutsch zurück, weil Englisch auch nicht hilft „Ich frage Sie nur wie.“
„Phang ngaaaa, Phang ngaaa“, ein Fuchteln Richtung Bus. Wir wollen gerade unser Gepäck einladen, da fuchtelt er schon wieder woanders hin.
Der Name der Stadt wird mir für immer in Erinnerung bleiben, denn so geht das gefühlte dreißig Minuten lang. Wir sind genervt. Der Thai ist genervt. Ich bin genervt weil wir genervt sind.
Im Bus sitzend, fällt als erstes der riesige Steinschlag auf, der sich über die gesamte vordere Scheibe zieht. Darüber wurde Klebeband geklebt. Wer muss schon die Straße sehen beim fahren?
Nach einer Stunde, biegen wir mit 5 km/h auf einen Schotterweg, dessen Schlaglöcher so tief sind, dass sie mir fast bis zum Knie gehen würden.
Das klingt nach Übertreibung? Ich weiß nicht wie ich solche Momente anders beschreiben sollte.
Diese Momente wo Deutsch auf Thai trifft, wo Reisender auf Eigenbrötler, wo jung auf alt, Tourist auf Einheimisch. Es ist immer irgendwie extrem, in die eine oder andere Richtung.
Die Busstation ist ein roter Schotterplatz. An der Seite stehen drei verrostete Busse, ihr Innenleben ist über den gesamten Hof verstreut. Da liegen Hunde und Motoren und Reifen und T-Shirts und Töpfe und vor dem Toilettenhäuschen sitzt ein dickes Mädchen und isst Nudelsuppe bei 40 Grad Mittagshitze.
Unsere Koffer werden auf einen Minivan geworfen, dessen hintere Sitzbank auf der ich sitze nicht befestigt ist. Ich rutsche ein bisschen, wenn es kurvig wird.

IMG_3413

IMG_3412
Busstation, Surat Thani, Thailand

Wir warten weitere Stunden, werden noch einmal umgeladen und auf einen anderen Platz verfrachtet.
„One moment“ sagt der Thai. Die Engländerinnen die mir gegenübersitzen lachen und lehnen sich zurück. Das kann dauern.
Wir kommen Abends in Phang Nga an und buchen eine Bootstour für den nächsten Tag. Unser Hotelzimmer sieht so schäbig aus wie es sich für einen Backpacker gehört und wir feiern es. Da steht ein Bett, da ist unser eigenes Reich.
Die Tour entpuppt sich als weltklasse, weil sie sich nicht wie eine Tour anfühlt. Wofür man die 1300B bezahlt, weiß man zwar nicht, weil die einzige Leistung darin besteht einen herumzufahren aber gerade das gefällt uns so. Fast fühlt man sich als wäre man zufällig hier. Weit ab und gerade immer die richtigen Momente abpassend, bestaunen wir die Inselgruppierungen in der Phang Nga Bay. Wir starten von einem  Meerzweig aus, das Longtailboot nur mit uns und vier weiteren Touristen beladen.IMG_3429 IMG_3426 IMG_3432

Die Bäume an den Seiten schlagen ihre Wurzeln über der Erde auf, die ersten Häuser auf Balken sehen aus, als würden sie den nächsten Sturm kaum überleben. Hier ist sie, die andere Welt. In der Natur und in den schreienden Thais. In jedem Detail lauert sie mit Gegensätzen.IMG_3515 IMG_3517 IMG_3520 IMG_3524 IMG_3523 IMG_3526 IMG_3529IMG_3531 IMG_3534IMG_3447Dabei kommt mir der Gedanke ob meine Definition von Gegensätzen nicht zu Thailand passt. Ob es welche sind, die alten Fischernetze in Kho Panyi und die großen Touristenboote. Die bunten Kleider und die Moschee, die auf den Stelzen im Wasser steht. Das trübe Wasser und die Menschenmenge auf der James Bond Insel. Jeder Kochtopf, jedes barfüßige Kind, jeder Holzsplitter am Boot und jeder Blick in die Wohnungen der schwimmenden Stadt lässt mich fragen, ob das wirklich alles so verstörend ist. Ob das tatsächlich Widersprüche sind, wenn ich dann wieder die neuen Autos sehe oder an die Hochhäuser in Bangkok denke -oder ob wir nur in Deutschland unterscheiden und sich die Dinge hier nicht gegenüberstehen sondern sich ineinander verhaken und verästeln, sich mühsam aufbauen und emporragen. Dann betreten wir die Tropfsteinhöhle durch welche die Touristen ohne Guide durchlaufen, alles anfassen und abbrechen und staunen.
Vielleicht sind es keine Gegensätze, vielleicht stehen sich hier keine Seiten klar gegenüber. Und vielleicht ist es das, was so gefährlich und irritierend ist.

Der Rest in Bildern:DCIM100GOPROGOPR0722. DCIM100GOPROGOPR0739. IMG_3508 IMG_3506 IMG_3493 IMG_3487 IMG_3485 IMG_3476 IMG_3465 IMG_3460IMG_3496

 

Ein Gedanke zu „Phang Nga“

  1. Das hört sich wirklich ziemlich gegensätzlich an, auf der einen Seite Ruhe, Nature, entspannte Menschen und auf der anderen Hektik, Gestank und zuviel Müll. Bin schon gespannt auf weitere Meldungen!

    Ciao
    Judith

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>