Chiang Mai

Everyone smiles in the same language.

DCIM100GOPROG0021035.Ich starre auf das leere Word-Dokument, meine Beine zum Schneidersitz auf dem Flughafenboden. Eine Gruppe Thais bleibt neben uns stehen. Der Thai-Gruppen-Anführer schreit. Ununterbrochen bewegen sich die Lippen; keine Luft, keine Luft. Gott, wie holen die Luft?
Ich rufe mir Chiang Mai ins Gedächtnis und nehme euch mit, in Ordnung? Ein Schritt nach vorne reicht, ein Klick zur Ticketbuchung, mehr braucht es nicht. Kommt.
Warum? Um Urlaub zu machen, vor den Dingen zu flüchten? Dem Alltag Lebewohl sagen?
Deswegen bin ich nicht hier. Stellt euch Chiang Mai vor: Ein bisschen rauchig, ein bisschen grau im April, die Sonne so warm, dass sich eure Wangen röten. Charakter in jedem Haus, auch wenn er euch nicht gefällt. Das Leben vor den Wänden, nicht dahinter. Essensgerüche, ganze Küchen an Motorräder geschraubt und eine Gabelung in kleine Gassen. Ruhe, Vögel zwitschern, ein kleiner Buchladen auf der Ecke und exotische Pflanzen, die sich über eure Köpfe ranken. Ich bin hier, weil ich das Leben aller Anderen spüre, wenn ich die Arme von mir strecke und zu meinen Seiten taste. Ich kann es in den Augen jedes zweiten Backpackers sehen. Diese Sicherheit, diese Neugier, dieses Pochen. Es pocht so laut, wenn man mit ihnen redet. Dort ist kein Rauschen mehr, nur ein klarer, entschiedener Ton. Dieses Leben, diese Lust darauf. Hier sind Menschen die verstanden haben, worum es geht. Und es wird Menschen geben, die das hier lesen und sich tausend Fragezeichen oder Blockaden formen.

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„That’s what you learn while travelling, don’t you? You learn that you really can have everything. You can do whatever you want. You are free. Not in that provocative way, not being free in order to not care about anything but you are free to be yourself and whatever your definition of yourself is, that there is a place out there where people and land would be happy to welcome you.”

IMG_3826 IMG_3841 IMG_3821 IMG_3853Man hört so viele Leben pochen, wenn man reist. So viele unterschiedliche Bässe, Genres und Stimmungen. Und was ist besser, als ein reicher, ausgefallener Musikgeschmack?
In Chiang Mai laufe ich schon lange nicht mehr durch die Straßen als würden sie meine Schritte noch nicht kennen. Chiang Mai lässt dich mit Leichtigkeit aufsetzen und macht es schwer wieder in den Flieger zu steigen.
Ich warte vor einer Bar und gebe zwei Thais High Five, lasse mir erklären wie ich das Essen zu bewältigen habe, verbeuge und bedanke mich fleißig und bekomme vom 12 bis 15 April Eimer voller Wasser übergeschüttet. Neujahr als Wasserschlacht kann so schön sein, wenn die Bars unter Wasser stehen, die Band in Flip Flops spielt und die Besitzerin nur dasteht und lachend eine pinke Wasserpistole gegen deine Brust drückt.
Songkran in Thailand. Muss man sogar als Karnevalmuffel, Popmusik-Hasser und Menschenmassenverachter erlebt haben. Es gibt nichts Besseres als durch eine Stadt voller lachender Leute zu laufen, die sich gegenseitig mit Wasser bewerfen. Überall stehen Eimer mit Eisblöcken und alle sind Freunde. Ehrlich. Ich bin kein Freund von Verniedlichungen, ich mein das so.
Chiang Mai hat aber noch viel mehr zu bieten, im Norden von Thailand ist es umgeben von massenweise Natur, Ausflugsmöglichkeiten und ist einer dieser Städte in der sich an jeder Ecke ein Markt versteckt, an dem eben nicht nur Touristen einkaufen.

DCIM100GOPROGOPR0999. DCIM100GOPROGOPR1015. DCIM100GOPROGOPR1017. DCIM100GOPROGOPR1019. DCIM100GOPROGOPR1021.Es gibt mehr als nur ein gutes Restaurant und es lohnt sich Umwege zu gehen. Fast ein bisschen europäisch beherbergt jede Nische ein kleines Café oder alternative Möglichkeiten sein Geld zu investieren. IMG_3879 IMG_3873 IMG_3882

Auch das Bier schmeckt hier irgendwie besser. Sogar wenn man es in einer Straße trinkt wo junge Thaimädchen mit alten deutschen Männern zusammensitzen und sich im Hintergrund 14-jährige Jungs bei einem Muay Thai-Kampf die Köpfe einschlagen. Keine Details, manchmal ist niedlich vielleicht doch ganz gut.

What to do in Chiang Mai:

  1. Chiang Mai Mountainbiking (die Tour für Anfänger hat es sogar in sich, wenn man noch nie Mountainbike gefahren ist und die Tourguides sind alle bester Laune und sprechen gutes Englisch, gibt einen einen kleinen Anblick in die Umgebung von Chiang Mai ohne arme Elefanten zu quälen)

  2. Cooking Love (wirklich gutes, sehr freundliches Restaurant in einer schönen Seitenstraße. Zum Nachtisch gibt es kostenlose Wassermelone und die Portionen sind großzügig. Kleiner Tipp: Ich steh auf spicy aber hier ist selbst medium ziemlich scharf. Besonders das Young Coconut Curry hat es mir angetan)

  3. Die Studentenumgebung Nimmanhaemin ist einen Besuch wert: Hier tummeln sich kaum Touristen, dafür lustige Thais und gute Bars und Restaurants mit Livemusik. Die Häuser bestehen oft zur Hälfte aus Glas und die Fassaden zieren Holz.

  4. @zleep (über airbnb gebucht). Dort haben wir gewohnt. Fern und Tor sind die besten Gastgeber. In dem Bistro gegenüber ihres Hostels haben sie immer ein offenes Ohr für dich. Es gibt freien Wäscheservice und Kaffee und die Umgebung bietet einen Einblick in das normale Thaileben. Ganz in der Nähe kann man sich morgens durch das Treiben auf einem Markt schlagen und Ries mit Ei und Fisch für 1 Euro frühstücken. Außerdem gibt es den besten Kaffee nur ein paar Schritte vom Hostel entfernt. Ein Songthraew (rote Pick-Ups) sollten ins Stadtzentrum nicht mehr als 20-40B kosten und zu Fuß macht das erkunden noch mehr Spaß!

  5. Chaing Mais Tempel sind einen Tag Entdeckungstour wert. Während Songkran besonders bunt, lassen sie einen mehr als in Bangkok verstehen, was die Religion den Menschen hier bedeutet.

  6. Unbedingt probieren: Kao Soy (Schreibweise varriiert), vielleicht nicht jedermanns Sache aber typisch nördliches Thai-Essen. Mir hat’s geschmeckt, denn: Nuuudeln Nuuudeln Nuuuudeln. In der Innenstadt soll es ein kleines verstecktes Restaurant geben, das das beste Kao Soy verkauft (allerdings nur von morgens bis 14 Uhr geöffnet)

  7. Walking Street; KAUFEN KAUFEN KAUFEN! Wie teuer war nochmal Extra-Gepäck oder ein Paket nach Deutschland? Am besten vor 8 oder nach 10 besuchen, ansonsten wird’s voll.

  8. Seitengassen erkunden, mal rechts und links abbiegen und stöbern.

  9. Nachtleben: Nimmanhaemin Gegend und Zoes für das typische Backpackervergnügen

Krabi

Geh‘ nicht nach Krabi, haben sie gesagt.
Das ist ein Drecksloch, haben sie gesagt.

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Ich stehe auf dem Nachtmarkt und gucke dabei zu, wie ein alter Thai liebevoll kleine Teigklekse auf die Herdplatte gibt und sie mit regelmäßigen Bewegungen verteilt. Er lächelt nicht, aber strahlt mit jedem Strich und jedem Kleks eine solche Ruhe aus, dass ich ewig dort stehen könnte.
Seine eigene kleine Mofa-Essensstand-Welt und ich in Krabi. Als hätte man eine Glasglocke über uns gestülpt. Wir sind hier, weil unser Flug nach Chiang Mai morgen geht. Untergekommen in Chan Cha Lay, nachdem das Pak-Up-Hostel nichts mehr frei hatte. Beide empfehlenswert und unser Guesthouse eingerichtet, als wäre man an der Nordsee. Keine Ahnung ob das nun wirklich so toll ist, wenn man darüber nachdenkt. Vielleicht hätten wir doch „Work and Travel in Holland“ machen sollen, wie Großeltern es vorschlagen. Ein Stück Nordsee in Thailand ist dann aber doch noch ein bisschen was Anderes. Unten ist ein kleines Café und die Besitzerin schreibt mir sorgfältig „Hallo“ auf thailändisch auf meine Postkarten.
Mag sein, dass Krabi ein Drecksloch ist, aber alle Menschen lächeln und das Essen schmeckt gut. Ich stelle mich neben einen der vielen Essensstände auf dem Nachtmarkt und filme die Frauen dabei wie sie heiße Pfannen balancieren und das Feuer an dem Eisen leckt. Die Zutaten liegen in bunten Farben herum und die kleine Pfannekuchenwelt des alten Thais vergräbt sich irgendwo in einer Ecke meines Reiseherzens.
Ich hab schon immer gewusst, dass Dreck auch ganz schön sein kann.

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Koh Phanyam

Mehr Holzschaukeln als Einwohner.
Unser Weg zu diesem Ort gestaltet sich für Backpackerverhältnisse luxuriös. Wie bisher Vieles in einem Land, dessen Wechselkurs zum Euro so schlecht geworden ist, dass man sich trotzdem über die Preise ärgert. Hauptsächlich weil man dazu noch weiß, dass die Thais nur maximal die Hälfte von dem bezahlen, was wir blonden Deutschen dafür ausgeben.
Unser Weg also, – abschweifen war schon immer mein Ding- dieser Weg beginnt damit, dass wir von einem Minibus an unserem Bungalow-Park abgeholt werden. Der Fahrer hebt unsere Rucksäcke in den Wagen und wir fahren zu Johanna und Alican. Wir tun das, weil wir selbst bestimmen wohin wir fahren. Wir können das, weil wir den Minibus zusammen mit 6 anderen Deutschen gebucht haben. Einmal nach Ranong, bitte. Und zwar von der Haustür bis zum Hafen in drei Stunden statt einmal umzusteigen und den „public bus“ zu nehmen – für ungewisse asiatische Zeit. Erschießt uns, wir sind der Logik verfallen und lassen uns herumkutschieren statt den Daumen am Straßenrand rauszuhalten und uns den üblichen Backpackerumständen auszusetzen.
Es zieht fast ein bisschen hinter meinen Rippen, wenn ich daran denke. Aber in einem klimatisierten Bus zu fahren um auf ein Speedboot zu wechseln wenn es dann doch nur 20 Euro kostet, ist verlockend.
Auf Koh Phanyam auszusteigen, erinnert noch an die Zeiten in denen Thailand, wohl auch Koh Tao und Koh Samui so ähnlich aussahen. Alles ist simpel. Es gibt kein großes Aufsehen, kein Streichquartett, keine Trommeln, die unsere Ankunft verkünden. Wir sind einfach da, setzen ein Fuß vor den anderen und- dann bricht das Chaos aus.
Johanna steht dort hinten, irgendwer ruft „TAXI???“, Alican redet,ich versuche mit Alican zu reden, Madita zuckt die Achseln, Johanna hat eine Karte von einem Bungalow-Park in der Hand, zeigt mit der anderen freien auf die Karte der Insel.
„Da ist der Strand, nicht dort.“ Ich bin verwirrt, der Bungalow-Park, dessen Fotos uns ein Amerikaner mit dicken bunten Ringen an den Fingern hinhält, sieht gut aus.
Er lügt, weil er sagt, dass die Zimmer eigentlich 1000B kosten statt 400B. Es ist egal, alles ist egal, ich gucke Johanna an, dann Alican, dann sehe ich die Taxis. Der Amerikaner winkt sie heran; vier Motorräder. Mein Koffer wird in den winzigen Fußraum zwischen Lenker und Sitz gequetscht und ehe ich mich versehe, sitze ich hinten drauf.
Du kannst Thailand nicht ausweichen, wenn du mitten drin bist. Du kannst nicht deine eigenen Regeln befolgen in einem fremden Land, zumindest nicht alle davon und wenn auch nur indem du dich immer mehr vom Ort selbst entfernst.
Ich nicke Madita zu, dann bin ich weg. Ich versuche mir nicht vorzustellen wie ich im Rückspiegel aussehen muss. Ziemlich verkrampft vermutlich. Besonders wenn ich die Schlaglöcher sehe. Und dann die Geschwindigkeitsnadel.
Auf Koh Phanyam gibt es (noch) keine Autos, Straßen hier sind Wege, irgendwann erbaut und an manchen Stellen so hinterlassen, als hätte der Thai nach der Mittagspause keine Lust mehr gehabt, weiterzumachen.
Der Park (Starlight Resort) liegt am Meer, am Buffalo Beach, dessen Name auf Thai viel schöner klingt. Neben der Treppe die zum Strand führt, stehen Liegen aus Holz, palmenartige Bäume die Schatten spenden. Hängematten vor unserer Bungalowtür, Moskitonetz und ein offenes Bad. An Decke und Boden scheint die Sonne durch die Spalten. Das Meer ist kristallklar und weit. Draußen liegt ein Boot, das aussieht wie ein Wrack und eigentlich Schiffersboot ist.IMG_3728 IMG_3696 IMG_3707
Nur ein paar Meter rechts, am Strand entlang, finden wir eine Bar, die aussieht wie ein riesiges Schiff, mit Treibholz, Brettern und Stützen, Tauen und Nägeln zwischen Bäume und Land gebaut. Auf eine Art mit der Umgebung verästelt, dass sie fast unscheinbar wirkt, blass. Man kann überall sitzen, eine Schaukel wackelt ein bisschen im Wind, Treppen führen zu kleinen Sitzgruppen, von denen man das Meer sehen kann und der Barmann rollt sich gerade seinen Joint. Er trägt kurze enge Shorts und hat schwarze Haare, die in kleinen elektrisierten Locken zu allen Seiten stehen. Er lässt mein Dosenbier fallen, lacht hell und sagt „Sorrrryyyy.“

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Hippie Bar, Koh Phanyam, Thailand

Wir sitzen oben mit Johanna und Alican, die Sonne ist eben untergegangen, rot und orange und pink ist sie im Meer und hinter den Inseln von Myanmar verschwunden. Am Horizont nämlich liegt die Grenze und fast ist es, als wäre die Welt ganz klein.
Wir trinken Chang, das Bier mit den grünen und goldenen Elefanten auf Dose und Flasche. Das WLAN-Passwort ist „Hippie Hey“ und in der Kulisse tummeln sich fast nur Pärchen. Wir grinsen doof und rufen uns Sätze zu wie „Ich geh mal kurz ins Wasser, Schatz.“
Motorräder leihen wir uns bei TING, kein Pass wird verlangt, Helme irgendwo aus der letzten Ecke gezogen und uns schmunzelnd in die Hand gedrückt. Mein Sitz lässt sich nicht richtig schließen, die Hupe und der Blinker geht nicht. Auf Maditas Roller kleben Affen mit Sonnenbrillen. Großes Kino: Bei unserer ersten Fahrt tuckern wir mit 20km/h über Schlaglöcher und Sand. Bei jedem Blick in den Rückspiegel, muss ich lachen, weil Madita mit weißem Helm und der Haltung aussieht wie Mitte 70.

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Pärchen gibts in Thailand wie Sand am Meer. Muss gar nicht so schlimm sein.

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Auf einem der Wege kommen wir an einer Baustelle vorbei, die mit nichts weiter als Sandsäcken gekennzeichnet ist.
„Hä?“, sage ich, dann biege ich auf die orange, freie Fläche daneben ab und schüttele nur belustigt den Kopf. Thai-Style.
Die Bars hier sind leer, Koh Phanyam ist noch nicht so überlaufen und es ist Nebensaison.
Alles ist bunt, in jedem Restaurant in das wir gehen, kann man wahlweise auch auf bunten abgewetzten Stoffkissen auf dem Boden sitzen. Es stehen ein dutzend Gewürze auf dem Tisch, Girlanden und Lichter, Pflanzen und Tücher hängen an den Wänden.
Wir frühstücken viel im „Baan Nam Cha“ und im Ozean kann man Arme und Füße von sich strecken und sich treiben lassen.

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Absolutes Muss: Frühstück mit richtigem Brot und viel Liebe im Baan Nam Cha

IMG_3760 Das ist Koh Phanyam, der Ort an dem es mehr Schaukeln aus Holz als Einwohner gibt.
Wir sitzen auf einer und gucken dem zweiten Sonnenuntergang zu, während sich die Straßenhunde in die Wellen jagen und bellen.

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Am Straßenrand anhalten lohnt sich oft: Neben “Chicken Mama” kann man den Frauen beim knacken und trocknen der Cashew Nüsse zuschauen.

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Must dos:

  1. Schaukeln

  2. Vier Stunden am Stück rumliegen und lesen

  3. Baan Nam Cha besuchen (hier schmecken auch die Pommes super!), Pfannekuchen gibt es immer 2 pro Bestellung

  4. Unserer Meinung nach gut für Motorradfahranfänger; zwar keine guten Straßen aber echt nichts los

  5. Sonnenuntergang

  6. Hippy Bar am Buffalo Beach

Khao Sok National Park

Khao Sok riecht schon anders. Es riecht friedlicher und umgeben von Bergen, riecht es auch nicht mehr nach Meer sondern nach Wald, Moos und Abenteuer. Eine Hauptstraße schlängelt sich den Abhang hinunter. Die Schilder die hier stehen sind bunt und weisen auf Fruit Shakes, auf Swimming und den National Park hin. Affen sitzen in den Bäumen und die Hitze färbt unsere Wangen, als wir auf den Transporter klettern. Das ist das Thailand, was ich gesucht habe. Weniger Autos, mehr Natur.IMG_3549 IMG_3574 IMG_3553 IMG_3548

Alles was wir hören, ist rascheln und zirpen und zwischendurch das Nagen der Streifeneichhörnchen. Evergreen House liegt etwas weiter ab, es geht erst auf eine Schotterpiste, unter Palmen her, die Schatten werfen und dann auf ein eingezäuntes Anwesen. Nichts hier hat Ordnung ohne unordentlich zu sein. Kai und Noi betreiben den Bungalow-Park alleine. Er lächelt freundlich, sie putzt noch die Zimmer. Faire Arbeitseinteilung also. Ich sitze lange auf unserer kleinen Terrasse und will lesen. Dann tue ich doch nichts anderes als all das grün anzustarren. Es gibt so viel davon, dass einem beinahe schwindelig wird.IMG_3578

Zu Fuß laufen wir am Fluss entlang und werfen einen Blick in die Kautschuk-Plantagen. Wenn die Wolken sich Abends zwischen den Berggipfeln fangen, regnet es und wie Trommeln prasselt das Wasser auf unser Wellblechdach.

Von dem Ort Khao Sok aus, fährt man eine Stunde mit dem Minibus bis zum Chiew Lan Lake, ausgehend von dem dort erbauten Damm wechselt man in ein Longtailboat um den Nationalpark zu erkunden. Erst wollen wir keine Tour buchen und mit hunderten Touristen herumkutschiert werden. Ohne Auto und ohne Stress ist es auf eigene Faust aber schwer den Damm zu erreichen. Machbar, ja, aber im Endeffekt auch teurer. Wir wollen Abenteurer sein, entschließen uns aber doch für die Overnight Stay Tour und hüpfen aufs Boot. Neben uns Juri, 9 Jahre alt, aus Berlin. Er redet viel. Madita wirft mir einen ihrer Blicke zu. „Seid ihr auch aus Deutschland?“ fragt er freudig und nicht zum ersten Mal ist unsere Antwort unser Todesurteil. Eine Stunde Minibus kommen mir auf einmal viel länger vor. „Wann sind wir da?“, Juri grinst mich an. Wüsste ich auch gern, kleiner Mann. Die Sonne scheint. Das Wasser ist blau, dann färbt es sich. Erst trüb, dann klar, irgendwas zwischen grün und türkis. Eine Farbe die ich so noch nicht kenne und irgendwie nicht benennen will. Es ist als läge der Dschungel auch im Wasser, die andere Welt in jedem Liter des Sees. IMG_3671IMG_3592 IMG_3595Hier leben Elefanten, Tiger und Leoparden. Wir sehen keinen davon, doch die Vorstellung reicht. Mit jedem Meter verliert sich die Zeit. Hier tickt die Uhr anders und vermutlich auch schon länger. Unser schwimmender Bungalow steht schief. Am Eingang wachsen Pilze. Das Holz ist sonnenbleich, es ist ruhig (bis auf Juri) und die Wasseroberfläche spiegelglatt bevor wir hineinspringen. IMG_3610 IMG_3611 IMG_3616 IMG_3618 IMG_3619

Kontrastprogramm bietet die Wanderung durch eine Höhle, in der uns das kalte Wasser teilweise bis zum Kinn reicht. Über uns hängen Fledermäuse und um uns die Spinnen. Nicht hingucken, dann geht’s. Man kann sich ein Kajak schnappen, Jaja unser Tourguide fängt eine fliegende Eidechse. Madita und ich finden das fast traurig, ein anderer Deutscher stürmt aber bereits hin um Fotos zu machen. „Das ist ein Kampf, Schatz“, schreit er und ich verdrehe die Augen. Die Dusche hat keinen Duschkopf mehr. Es tropft ein bisschen. Morgens sehe ich der Sonne dabei zu, wie sie den Regenwald in ihr rosa Licht tunkt.IMG_3657 IMG_3631 IMG_3653 IMG_3638 IMG_3624 IMG_3665

Must dos:

  1. Jungalow: Lecker Essen bei chilliger Musik von Bastian

  2. Evergreen House: Noi und Kai sind Beide nett (meistens) und sprechen „gutes“ Englisch

  3. Tempelanlage: heruntergekommen, aber mit einer Banane im Gepäck kann man Affen füttern

  4. Unbedingt den Chiew Lan Lake besuchen, der Overnight Stay hat sich gelohnt. Die Gruppe mit 17 Leuten ist übersichtlich und entspannend (Von Khao Sok günstiger als von Khao Lak aus)

Phang Nga

„PHANG NGA!“, schreit der Kerl. Ich schreie innerlich zurück. Ich weiß nicht, wer gesagt hat, Thais seien durchweg nette Menschen. Das stimmt so nicht.
Es gibt sie, die höflich lächelnden Thais, die Thais die für dich herumtelefonieren oder dir alles doppelt und dreifach erklären. Die dir eine schöne Reise wünschen, nachdem du deinen letzten Frucht Shake in Kho Tao bestellst. Aber der Thai, der mir gegenübersteht ist einer von der Sorte, die immer drei Lautstärkebalken überspringen und in einer Frequenz sprechen, die einem als Deutscher völlig schleierhaft ist.
„PHANG NGA!!!“, brüllt er uns wieder ins Gesicht und fuchtelt wild mit den Händen, ohne uns direkt anzugucken.
Wir stehen an irgendeinem Hafen, haben Kho Samui gerade verlassen und sind auf dem Weg nach Phang Nga. Eine Reise, die eigentlich von 8 bis 15 Uhr dauern sollte.
„Boah, ich weiß wohin ich will“, pampe ich auf Deutsch zurück, weil Englisch auch nicht hilft „Ich frage Sie nur wie.“
„Phang ngaaaa, Phang ngaaa“, ein Fuchteln Richtung Bus. Wir wollen gerade unser Gepäck einladen, da fuchtelt er schon wieder woanders hin.
Der Name der Stadt wird mir für immer in Erinnerung bleiben, denn so geht das gefühlte dreißig Minuten lang. Wir sind genervt. Der Thai ist genervt. Ich bin genervt weil wir genervt sind.
Im Bus sitzend, fällt als erstes der riesige Steinschlag auf, der sich über die gesamte vordere Scheibe zieht. Darüber wurde Klebeband geklebt. Wer muss schon die Straße sehen beim fahren?
Nach einer Stunde, biegen wir mit 5 km/h auf einen Schotterweg, dessen Schlaglöcher so tief sind, dass sie mir fast bis zum Knie gehen würden.
Das klingt nach Übertreibung? Ich weiß nicht wie ich solche Momente anders beschreiben sollte.
Diese Momente wo Deutsch auf Thai trifft, wo Reisender auf Eigenbrötler, wo jung auf alt, Tourist auf Einheimisch. Es ist immer irgendwie extrem, in die eine oder andere Richtung.
Die Busstation ist ein roter Schotterplatz. An der Seite stehen drei verrostete Busse, ihr Innenleben ist über den gesamten Hof verstreut. Da liegen Hunde und Motoren und Reifen und T-Shirts und Töpfe und vor dem Toilettenhäuschen sitzt ein dickes Mädchen und isst Nudelsuppe bei 40 Grad Mittagshitze.
Unsere Koffer werden auf einen Minivan geworfen, dessen hintere Sitzbank auf der ich sitze nicht befestigt ist. Ich rutsche ein bisschen, wenn es kurvig wird.

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Busstation, Surat Thani, Thailand

Wir warten weitere Stunden, werden noch einmal umgeladen und auf einen anderen Platz verfrachtet.
„One moment“ sagt der Thai. Die Engländerinnen die mir gegenübersitzen lachen und lehnen sich zurück. Das kann dauern.
Wir kommen Abends in Phang Nga an und buchen eine Bootstour für den nächsten Tag. Unser Hotelzimmer sieht so schäbig aus wie es sich für einen Backpacker gehört und wir feiern es. Da steht ein Bett, da ist unser eigenes Reich.
Die Tour entpuppt sich als weltklasse, weil sie sich nicht wie eine Tour anfühlt. Wofür man die 1300B bezahlt, weiß man zwar nicht, weil die einzige Leistung darin besteht einen herumzufahren aber gerade das gefällt uns so. Fast fühlt man sich als wäre man zufällig hier. Weit ab und gerade immer die richtigen Momente abpassend, bestaunen wir die Inselgruppierungen in der Phang Nga Bay. Wir starten von einem  Meerzweig aus, das Longtailboot nur mit uns und vier weiteren Touristen beladen.IMG_3429 IMG_3426 IMG_3432

Die Bäume an den Seiten schlagen ihre Wurzeln über der Erde auf, die ersten Häuser auf Balken sehen aus, als würden sie den nächsten Sturm kaum überleben. Hier ist sie, die andere Welt. In der Natur und in den schreienden Thais. In jedem Detail lauert sie mit Gegensätzen.IMG_3515 IMG_3517 IMG_3520 IMG_3524 IMG_3523 IMG_3526 IMG_3529IMG_3531 IMG_3534IMG_3447Dabei kommt mir der Gedanke ob meine Definition von Gegensätzen nicht zu Thailand passt. Ob es welche sind, die alten Fischernetze in Kho Panyi und die großen Touristenboote. Die bunten Kleider und die Moschee, die auf den Stelzen im Wasser steht. Das trübe Wasser und die Menschenmenge auf der James Bond Insel. Jeder Kochtopf, jedes barfüßige Kind, jeder Holzsplitter am Boot und jeder Blick in die Wohnungen der schwimmenden Stadt lässt mich fragen, ob das wirklich alles so verstörend ist. Ob das tatsächlich Widersprüche sind, wenn ich dann wieder die neuen Autos sehe oder an die Hochhäuser in Bangkok denke -oder ob wir nur in Deutschland unterscheiden und sich die Dinge hier nicht gegenüberstehen sondern sich ineinander verhaken und verästeln, sich mühsam aufbauen und emporragen. Dann betreten wir die Tropfsteinhöhle durch welche die Touristen ohne Guide durchlaufen, alles anfassen und abbrechen und staunen.
Vielleicht sind es keine Gegensätze, vielleicht stehen sich hier keine Seiten klar gegenüber. Und vielleicht ist es das, was so gefährlich und irritierend ist.

Der Rest in Bildern:DCIM100GOPROGOPR0722. DCIM100GOPROGOPR0739. IMG_3508 IMG_3506 IMG_3493 IMG_3487 IMG_3485 IMG_3476 IMG_3465 IMG_3460IMG_3496

 

Fahrrad, Kaffe und weit oben

Ich ziehe die Tür hinter mir zu und laufe den Pfad entlang der durch unsere Bungalow-Anlage „Tropicana Resort“ führt. Das Yoga Center ist quasi direkt vor unserer Haustür. Die Decke zieren bunte Ornamente, Stoffstücke und Holzverkleidung. Blaue Matten liegen auf dem Boden und Jack Johnson, dann noch ruhigere Musik, klingen aus den Lautsprechern.
Hier passt Yoga hin, denke ich. Aus dem Fenster blickend kann man das morgendliche Treiben beobachten, links eine Baustelle. Trotzdem ist es ruhig. Um mich und in mir.

IMG_3221-001IMG_3366Gabi spricht mit entspannter Stimme und ich glaube so sollte (fast) jeder Morgen anfangen. Nach 90 Minuten springe ich nämlich zwei Geschäfte weiter und ein Sommerregen bricht aus. Alle Menschen um mich herum lachen. Ich bestelle ein Baguette mit Omelette und zwei Mango Shakes.
Zwei, weil Will heute Geburtstag hat. Dann sitzen wir auf der Treppe vor der Tauchschule und gucken dabei zu wie die Sonne sich wieder ihren Weg bahnt.
Ich leih mir ein Fahrrad aus und schnall mir die GoPro um. DCIM100GOPROGOPR0600.Wichtigste Regel im Straßenverkehr: Es gelten keine. Hier wird abgebogen wie jeder will, überholt wo kein Platz ist und alle paar Meter gehupt. Wenn man denn eine Hupe hat.
Ich trinke Iced Coffee, kaufe Armbänder, fahre kleine Straßen entlang und frage mich wie viele Melonen ich auf einmal transportieren kann.
Die Straßen sind gesäumt von Restaurants und Buden, von Strandhütten und Bananenpflanzen. Von Palmen, Rollern und Essensständen.
Ich finde zusammen mit Max, den ich irgendwo auf der Straße auflese, einen Palmenpark in dem Mönche zelten und nicht viel weiter stehen Häuser auf Holzstützen. Die Wäsche flattert leicht im Wind.
Weiter weg, immer der Straße entlang Richtung Mango View Point, kaufen wir für 20B thailändischen Kaffee mit Milch und braunem Zucker. Vor dem Haus sitzt ein Mann und raucht, es liegen Muscheln auf der Mauer und im Hintergrund läuft Raggae. Der Mann grinst und zeigt stolz seine schiefen Zähne. Wir sitzen da und gucken den Frauen gegenüber beim kochen zu. Hier ist Frieden.

DCIM100GOPROGOPR0621.Der Reis brät im Wok über der Feuerstelle, leise wird erklärt und ausgetauscht und ab und zu trifft uns eine der Blicke und wir lächeln.
Weiter oben kämpfen wir uns links über Stacheldraht zu unserem eigens ernannten View Point.DCIM100GOPROGOPR0609.Auf dem Weg dahin liegt Müll zu beiden Seiten. Etwas, das in Thailand immer wieder auffällt. Ein Land, das vielleicht noch nicht gelernt hat mit dem Tourismus umzugehen. Etwas, das mir neu ist so deutlich zu sehen. Und ich bin Teil davon.
Ich frage mich wie es hier in ein paar Jahren aussieht. Denke an die kochenden Frauen, an die Korallenriffe unter Wasser, an jede einzelne Plastiktüte die mir bis jetzt in die Hand gedrückt wurde und blicke aufs Meer hinaus. Noch ist es wunderschön.

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Was gibts zu tun?

  1. Fruit Shakes trinken, am besten die ohne Zucker gegenüber von Oceansound Dive+Yoga.

  2. Fahrrad oder Motorrad leihen und mehr sehen als nur seine eigene Straße.

  3. Yoga, wer mag.

  4. Freedom Beach, nicht weit von Oceansound.

  5. View Point nähe Freedom Beach. Die Welt von oben sehen, sich groß fühlen, dann auf den Rücken legen, Sterne gucken und sich klein fühlen.

  6. Nang Yuan Islands, zum Beispiel Morgens hin und eine Runde schnorcheln. Oder zwei, oder drei.

  7. Tauchen, tauchen, tauchen.

 

 

Tauchen

Durch meine Taucherbrille kann ich Marta sehen. Sie schwebt genau vor mir und nickt langsam. Generell passiert hier unten alles intensiver und ruhiger. Niemand kann reden, keiner stört.

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Schnorcheln, nicht tauchen, Koh Tao, Nang Yuan

Das Wasser ist klar, doch hier unten sieht man die Sandkörner wie Nebel. Dann Sonnenlicht wie es über den Boden zuckt, Luftblasen wie sie neben deinem Gesicht aufsteigen, Hände die sich leicht und schwerfällig zugleich bewegen. So fühlt sich der Ozean an: Schwerelos sein können ohne sich zu leicht zu fühlen. Man nimmt jedes noch so kleine Detail wahr -wenn man nur will. Kleine Korallen in unterschiedlichen Farben wirken lebendig und surreal. Die Barrakudas über meinem Kopf wie aus einem Science Fiction Film.
Ich gehöre hier nicht hin, das ist sicher. Tauchen ist fremdes Territorium. Weder ich noch die Anderen sollten hier sein.

DCIM100GOPROGOPR0480.Ich treibe ein bisschen nach oben weil ich meine „buoyancy“ noch nicht gefunden habe. Marta zieht mich runter und nickt noch einmal. Ich mache die Augen zu, löse die Maske und beginne mit der Tauchübung: Wasser in meine Brille, Kopf runter um es dann durch die Atmung über die Nase wieder an den Ozean abzugeben.
Martas Augen sind braun und wachsam. Ich weiß jetzt schon, dass das eines der Bilder sein wird, die zwar nie an meiner Wand aber in meinem Gedächtnis hängen werden: Da sind die salzverklebten Wimpern und der Umriss der Taucherbrille, um uns all das Wasser.

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Nang Yuan, Koh Tao

Tauchen auf Koh Tao ist wie laufen auf einem Marathon, ist wie essen in einem Restaurant oder schlafen in einem Bett. Es geht nicht ohne.
Koh Tao besteht aus nichts anderem als Hügeln, Palmen, Schlaglöchern und Tauchschulen.
Ocean Sound Dive + Yoga befindet sich nicht direkt am Pier sondern weiter weg vom Trubel und als wir die Schule am ersten Tag betreten, wird sofort klar, dass das einer dieser Orte ist, auf die man sich einlassen kann. Oder auch nicht.
Es liegt an dir ob du Wills Sprüche erwiderst oder Jespers Deutschkenntnisse vorantreibst, ob du durch deinen Regulator lachst oder doch lieber panisch zur Oberfläche schwimmst.
Man muss sich fallen lassen. Der Ozean fängt.

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Madita, Anthony, Marta von Oceansound Dive+Yoga, Lou und Jen

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Dann macht es auch nichts mehr wenn man zitternd über das Boot kriecht, sich die schwere Flasche aufschnallt uns sich ein, zwei oder auch drei Mal übergibt bevor es ab in die Tiefen geht. Hauptsache man hat den Kugelfisch gesehen.

 

Open Water Diver (z.B. mit PADI): 8500 – 9800B (242-280Euro)

Oceansound Dive+Yoga liegt nicht direkt am Pier, das macht die ganze Sache ein wenig ruhiger und persönlicher. Zum Pier kommt man problemlos mit dem gemieteten Roller und auch mit dem Fahrrad braucht man nicht mehr als 10 Minuten.

Koh Tao

Die Hafenarbeiter schmeißen meinen Koffer auf ein Gestell, wie man es sonst nur aus Filmen kennt. Langsam rutscht er auf den Anleger und wird mir dort in die Arme geworfen. Auf den ersten Blick ist Koh Tao blau: Das Boot, das Wasser, der Himmel, jedes Stück Metall oder Holz mit einem Pinselstrich Hoffnung versehen.

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Die Sonne steht hoch, als wir die Insel im Süden Thailands erreichen. Neben den Passagierbooten ankern hier Longtail-Boote in bunten Farben. Wasser schwappt gegen das Holz und mischt sich mit den anderen Eindrücken. Der Steg ist sonnengebleicht grau und an vielen Stellen mehren sich Nägel und Bretterschichten. Der Strand ist dünn, Palmen recken sich zum Himmel und wir folgen den anderen Passagieren über den Steg in Richtung Zivilisation. Denn davon gibt es selbst auf Koh Tao genügend.

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Straße des Tropicana Resorts und unserer Tauchschule “Oceansound”

Das Paradies, was diese Insel einmal war, ist nun etwas unbeholfen aber noch nicht unsympathisch zerschnitten mit Hostels, Bars und bunten Schildern, die Armbänder präsentieren.
Ich schleppe meinen Koffer über den Sand zur Straße hin, die kaum so breit ist wie ein Auto, durch die aber in Sekundenabständen kleine Mofas knattern und sich Urlauber ihren Weg bahnen.
In meinem Kopf ist aber nur das Meer. Kristallklar, blau und türkis, unter der Oberfläche schon die Korallen vom Boot aus zu sehen.

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Wir klettern auf einen Jeep, auf dessen Ladefläche sich zwei Bänke gegenüberstehen und fahren zu unserer Tauchschule. Selbst der Wind ist heiß. Die Straßen sind überall sandig, an ihren Seiten immer wieder kleine Restaurants, Supermärkte so groß wie mein Zimmer in denen sich das Obst stapelt und Mofas mit Anhängern an den Seiten, auf denen gebratenes Fleisch auf riesigen grünen Blättern liegt. Wir können die Hügel sehen, grün bewachsen, zwischendurch ein Haus auf Stelzen an einem Abhang. Flaschen mit Benzin am Straßenrand, bunte Kleider und der Geruch nach Salz, Hitze und Zeit.
Ich kann nicht sagen ob sie hier stehen geblieben ist oder zu schnell vergeht.

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I wish I had a mango tree. In my backyard. With you standing next to me. Take the picture.

-Angus and Julia Stone, Mango Tree

 

Ein Tag in Bangkok

Als wir aus dem Flieger steigen, ist es heiß. Die T-Shirts kleben an Bauch und Rücken und die Taxischlange vor uns ist so lang, dass sich das so schnell nicht ändern wird.
Wir ziehen unser Ticket und stehen verwirrt am Straßenrand. Unser Taxifahrer kommt, macht Witze über mein Gepäck und ignoriert meine Fragen zum Preis. Thailänder sind unheimlich gut darin ihre Sprachprobleme zu ihrem Vorteil zu nutzen.
„Do you drive with taximeter?“
„700Bath, yes yes, take you, yes yes. Okay.”
Alles klar.
Ich gebe auf und will mich anschnallen aber das scheint hier uncool zu sein, denn Gurte gibt es zwar aber keinen Anschnaller. Also mit 100 km/h und einem telefonierenden Thai über die Autobahn nach Bangkok. Am Rückspiegel baumeln tausend Anhänger von Königsbildern und buntem Allerlei.
Wir akzeptieren die Tatsache, dass ständig und ohne zu blinken von rechts nach links gewechselt wird und so nah an einen Stau rangefahren wird bis quasi nichts anderes mehr übrig bleibt als auf die Gegenfahrbahn zu wechseln.
Klasse, denke ich mir, da kann ich auch gleich Roller fahren. Und grinse trotzdem. Das ist neu, das ist anders, das ist genau das, was ich sehen will.
In Bangkok, Khao San Road, betreten wir unser Hostel, nachdem wir unsere Schuhe ausziehen mussten. Das tut man hier fast überall. Auch an den Orten, wo man es nicht unbedingt will.
In unserem Zimmer läuft Nachts die Klimaanlage. Wir kaufen uns Wasser. Dann schlafen wir. So spannend kann backpacking sein.
In Bangkok kann man vieles tun, als Reisender aber vor allem eins: staunen und ausweichen. An jeder kleinen, winzigen, mickrigen Ecke gibt es Essen. Der Thailänder braucht nicht mehr als einen Quadratmeter (wenn überhaupt) um dir dein Abendessen zu zaubern. Dann muss jeder für sich entscheiden ob er es appetitlich findet, wenn direkt neben einem die Teller mit kaltem Wasser gespült werden, Soßen in Tüten in der prallen Mittagshitze schlummern und Dinge wie Handschuhe ein Fremdwort sind. Wir finden schon.
Ausweichen muss man vor allem vor Tuk Tuks, Shirts-anprobierenden Thais, Kochlöffelnl, Taxis, Taxifahrern mit Schildern, Promoter die Kussgeräusche machen, schwitzenden anderen Backpackern, Hunden, schlafenden Köchen und Pfützen mit Substanzen die man nicht kennen möchte (aber ab und zu den Flip Flop drin versengt).
Tuk Tuks sind klasse, denken wir und wollen damit die Stadt erkunden.
Wir versuchen es. “40B”, sagt er. “Was solls”, sagen wir – und steigen ein.
Zwei Straßenecken, geradeaus, über einen Fluss und plötzlich hält der Fahrer, dreht sich um und erzählt in brüchigem Englisch, dass er uns zu irgendeinem Shop fährt weil „Groupon Groupon! I get Groupon. You Tempel. I Groupon. There there and there. See. Groupon.”
Ich gucke auf die zerfledderte Karte von Bangkok auf die der Mann zeigt und schüttel den Kopf.
„We do not want to see any shops or buy anything. We want to see the temples.”
“Groupon!”, ist die entrüstete Antwort und ein energisches Fingertippen auf den Ort folgt, wo der Shop sein soll. Wir steigen aus und es folgen weitere Versuche bis wir verstehen, dass die lieben Tuk Tuk- Fahrer sich bei den Läden „Groupons“ abholen (hat er doch gleich gesagt!), also Geld dadurch verdienen dass sie dort Touristen hinbringen. Es ist mühsam. Es ist heiß. Im Hostel surrt die Klimaanlage über unseren Köpfen bevor wir uns wieder hinauswagen und in das nächste Tuk Tuk steigen.
„One shop, nothing more.“
„Yes Yes.“
Denkste.

Tuk Tuk-Fahrer sind gewitzte Leute. Fahr Taxi oder lauf. Von mir aus krieche zu den Tempeln aber steige niemals, niemals, niiiemals in ein Tuk Tuk.
Wir verbringen circa eine Stunde in drei Geschäften, lassen uns Kleider zeigen und Stühle werden zurückgerecht. Ein Reisebüro in das wir kutschiert werden, besteht aus 4 dunklen Holztischen hinter denen gelangweilte Thailänder sitzen. Eine Frau hat ihre Tochter auf dem Arm. Alle tun irgendwas aber ich glaube keiner dort könnte dir einen Zug buchen. Ein Mädchen spielt mit ihrem Handy, das Licht ist dämmrig und der Mitarbeiter der uns bedient, sagt alle zwei Minuten „I have idea!“ und tippt in seinen Taschenrechner.
Abends essen wir Tom Yum Suppe und Pad Thai und sitzen unter einem Mangobaum. Ein Frosch hüpft vorbei. Es ist warm, der Beton hat Sonne getankt, wir sind müde und glücklich. Zurück im 20-Mann-Zimmer lachen wir über die 46 Cent, die wir dem Tuk Tuk-Fahrer bezahlt haben.

To do’s:
-Maracuja-Saft trinken
-Außergewöhnliches Essen probieren
-Ghost Tower (geheimer Aussichtspunkt)
-Abends das verrückte Nachtleben kennenlernen
-Seitengassen erkunden (Nicht selten ist dort plötzlich eine tolle Bar)
-Massieren lassen (egal wo in Thailand)
-Tuk Tuk inklusive deinem ersten Streit mit einem Thai
-Tempel angucken (auch wenn nicht besonders spektakulär verglichen mit manch anderen in Thailand, wird einem beim Betreten eines Tempels bewusst, wie gegensätzlich diese Stadt ist)

 

Beispielhafte Ausgaben pro Person:
-Flughafentaxi: ca.7-10 Euro
-Hostel für 3 Nächte: 33 Euro
-Floating Market Tagesausflug: 7-12 Euro
-Tuk Tuk: 0,23 Cent
-Frühstück: 2 Euro
-Abendessen: 3-6 Euro
-Bier: nada, vorausgesetzt du bist ein Mädchen
-Zug nach Koh Tao: 36 Euro (Bus und Boot enthalten)

Bangkok

Ich habe noch nie so viele Welten in einer Stadt gesehen. Welten aus Türen und Drähten und Gittern und Plastikbechern und Zweigen und Pfützen und verwinkelten Zimmern hinter geöffneten Fenstern und hochgezogenen Läden. Noch nie so viel auf einem Haufen, wie es sich aufbaut und türmt und durch die Straßen zieht. Welten aus atmenden Menschen , die essen und sitzen und laufen und reden, reden, reden.

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Khao San Rd., Bangkok

Überall steht etwas, hängt etwas, liegt etwas.
Katzen, Körbe, Töpfe, Tüten, Bananen, gebratenes Fleisch, Buntes, Melonen, Tische und Stühle und in den Zimmern Zettel über Zettel und Bilder an den Wänden. Man kann hineinschauen, wenn man vorbeiläuft. Das Wohnzimmer einer Thai-Familie, der Schreibtisch und das Sofa am Straßenrand.

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Tom Yum Suppe, Bangkok
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Unbedingt kaufen: Maracuja-Saft für 20-30B

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Bunte Häuserwände, die Farben abgeblättert. Bangkok ist älter und jünger. Ein Straßenreiniger am Hochhaus, der mit Holzbesen fegt. Fahrräder, Pflanzen, Flaschen, Shirts und barfüßige Mönche.
Der Wagen verlässt das Zentrum und von der Schnellstraße kann man ganze Biotope sehen. Teiche an Häusern mit Palmen und davor der Müll. So viel Müll. Ich blicke auf Wege hinab, auf denen zu Vieles ist, um es zu verstehen.

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Floating Market, Tagesausflug von Bangkok aus

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Eindruck um Eindruck um Eindruck.
Kabel um Kabel um Kabel am Himmel und zwischendrin die Tücher und Flaggen des Landes und die spitzen Verzierungen der Tempel.
Die Luft ist warm und drückend. Die Stadt fiebert und wir mit ihr.
Der Horizont ist grau und zieht sich über unsere Köpfe. Bäume, die Bürgersteige aufreißen und Gemälde in goldenen Rahmen mit dem Gesicht des Königs.

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Vor den Fenstern hängen Gitter und an den Wänden ranken sich Schriften und Leuchtreklame und alles stapelt sich, vom kleinsten Street Food- Stand bis zu den Hochhäusern, an denen wir vorbeifahren.
Alles zusammengewürfelt: Ein Berg, ein Geflecht, ein System.
Eins, das seinen Faden verloren hat, weil man ihn überall findet.
Bangkok.

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Schwimmende Küche, Floating Market
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Sticky Rice with Mango, Floating Market
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Tuk Tuk, Bangkok

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