And eat and eat and eat

“In Vietnam rollen wir alles”, sagt Binh in Da Lat und rollt die Frühlingsrolle.
„Ich roll mich gleich nach Hause.“
Und das ist wirklich das Beste, was man in Vietnam tun kann. Und überhaupt. Was wäre reisen ohne essen? Was wäre das Leben ohne Pasta? Ohne Curry? Ohne Wassermelone?
Natürlich zieht keiner in die große weite Welt, nur um zu essen. Obwohl ich mir da nicht mal so sicher bin. Ich sehe mich nämlich schon Zuhause sitzen und denken „Jetzt wäre ich gerne in Bangkok in dem kleinen Restaurant und würde Tom Yum essen oder mir am nächsten Straßenstand Banh Mi zusammenstellen.“ Ob nun Hauptgrund hin oder her: Essen ist ein Muss. Egal wie man es dreht (oder rollt), keiner kommt daran vorbei.
Das kulinarische Da Lat
1.Banh Trang Nuong – Da Lat Pizza
Als wir „Happy Homestay“ verlassen, geht es nur ein kleines Stück den Berg runter. Laut Binh müssen wir unbedingt die Da Lat Pizza probieren und würde das in Deutschland nun jemand sagen, wüsste man ungefähr, was einen erwartet. Binh aber bleibt auf einmal mitten auf der Straße stehen und deutet auf winzige Plastikstühle die noch jede zuvor gesehene Größe unterbieten. Wir drapieren sie um das „Ding“ herum, das ein Grill ist- nur halt auf Vietnamesisch. Eine Betonschüssel also in der das Zeitungspapier schmort und die Kohle raucht und eine Frau mit angezogenen Knien dahinter sitzt und Pizza backt. Da Lat Pizza besteht aus Ei und Reispapier und wird frisch zu einem Kreis gegossen. Darauf schnibbelt die Vietnamesin Wurst und das was so grün ist, keine Angst, das ist nur Schnittlauch.
2.Nem Nuong – D.I.Y. spring rolls
Wer hätte gedacht, dass das so einfach ist? Einfach rollen, ehrlich, mehr muss man nicht. Salat, Minze, grüne Banane, Wurst, frittiertes Reispapier, Möhren und Gurken werden auf den Tisch gestellt. Dann noch Soßen (oft Erdnuss, oft Chilli) und natürlich das frische Reispapier. Beladen wie ein Wrap und eindrehen. Fertig.
3.Chè- Vietnamese desert
Könnten Mangas essen, sie würden Chè schon frühstücken. Das Desert besteht aus Gele, Kokosnussmilch, Sticky Rice, seltsamen Bohnen und allerlei anderem Süßzeug. Wenn das nicht Klischee asiatisch ist, dann weiß ich auch nicht. Gibt es fast an jeder Straßenecke in unterschiedlichen Versionen. Unbedingt einmal zu den Locals quetschen und auslöffeln.
4.Vietnamesischer Bäcker
Wer schonmal in Australien war, kennt und liebt sie. Wer allerdings Vollkornbrot erwartet, liegt falsch. Hier ist alles aus Zucker, selbst wenn es herzhaft ist.
5.Vietnamesischer Kaffee
Wer hätte gedacht, dass so etwas existiert? Für alle Kaffeeliebhaber und auch für solche, die jetzt das Gesicht verziehen: Wer in Vietnam war und keinen Cap he getrunken hat, ist nicht wirklich gereist. Die Vietnamesen sitzen zu jeder Tageszeit am Straßenrand und lassen den Kaffee durchtröpfeln. Der Geschmack ist einzigartig, bitter und süß, voll und klebrig. Auch mit süßer Kondensmilch oder Iced zu haben.
6. Pho (suppe mit Beef)
Eine Suppe mit Reisnudeln, oft auch mit Sojasprossen, Gewürzen und meistens mit Rind. Wer Geld sparen möchte und das richtige Vietnam kennenlernen, setzt sich morgens bitte in eines der miesesten aussehenden Straßenrestaurants und schlürft die Suppe mit den schmatzenden Einheimischen zusammen. Hier ist es egal, ob die Nudeln zum hundertsten Mal die Stäbchen verlassen und die halbe Brühe auf deinem Shirt landet. Meist wird dir zur Pho noch reichlich Salat oder Minze, Chilli und Limette gereicht. Einfach von allem was reinwerfen. Mehr als 1,50 Euro solltest du dafür nicht bezahlen müssen und irgendwann kann man fast gar nicht mehr ohne. Auch nicht morgens.
7.Sua bap
Heiße Milch mit Honig als Kind geliebt? Dann lauf Abends durch Da Lat und kauf dir Sua bap. Hier ist es nämlich cool heiße Milch mit unterschiedlichen Geschmackssorten zu trinken. Wir lieben die mit „Corn“ (Mais). Perfekt als Nachtisch, der nicht so schwer im Magen liegt und dich auch nicht an Mangas denken lässt.IMG_4760 IMG_4780Das kulinarische Hoi An

1.Der Markt

Lunchtime. Wer den ganzen Morgen mit dem Fahrrad die Stadt erkundet, will was essen. Möglichst günstig, möglichst gut. Der Markt in Hoi An ist perfekt dafür. Wir haben es genossen. Die paar Essensstände sind übersichtlich und es ist nett dort zu sitzen und dem Treiben und Kochen zuzusehen. Du kannst dir Reis mit verschiedenen Zutaten zusammenstellen, Fruit Shakes trinken, Frühlingsrollen drehen und dir aus den Karten vietnamesische Spezialitäten wie „White Rose“ herauspicken. Und das alles für 1 bis 2 Euro. Herrlich. Also rauf auf die Metallbänke und ausprobieren!

Wenn man Glück hat, verständigt man sich mit Händen und Füßen, lacht viel und bekommt zum Schluss noch begeistert das helle Pfötchen geschüttelt.

2.Nu Eatery
In einer kleinen Seitengasse auf einem winzigen Balkon sitzen und auf Wäscheklammern und bunte Lichter blicken, während man mal etwas andere (auch etwas teurere) Reisgerichte probiert? Geht in „Nu Eatery“. Essen schmeckt sehr gut und das Ambiente ist ein Muss für die Chiller und Gassenliebhaber unter uns.
3.Am Fluss (Cha Laou)
Streetfood 2.0
Richtung Brücke gibt es günstiges Streetfood, auch den vietnamesischen Klassiker “Cha Laou” für wenig Geld aber mit kleinen Holztischen am Fluss. Schön!
4.The Chef Dachterrasse
The Chef ist ein Restaurant über einem Buchladen. Was man von unten nicht sieht: es gibt eine Dachterrasse von der man über die Dächer Luang Prabangs blicken kann. Außerdem gibt es Krabbenchips oder Erdnüsse zu den Getränken. Fetter Bonus.
5.May Concept
May Concept liegt direkt gegenüber von „Nu Eatery“. Genau wie dort überzeugt hier die Atmosphere. Nicht viele Touristen verirren sich hierher. Es ist ruhig, die Klangspiele wippen im Wind und der Kaffee schmeckt gut. Einziges Manko: Fruit Shakes sind eindeutig zu klein.IMG_4018 IMG_4024 IMG_4027 IMG_4032 IMG_4061 IMG_4072 IMG_4075 IMG_4080 IMG_4142 IMG_4172
Das kulinarische Hanoi.
1.Cha Cha
In Hanoi ist die Hölle los. Abends trauen wir uns auf die Straße und probieren das berühmte „Cha Cha“. Besucht man das Restaurant (es gibt nicht viele davon), bleibt einem auch gar nichts anderes übrig, denn es gibt dort nur dieses eine Gericht. Die Speisekarte dient lediglich der Getränkewahl.
Herd und Zutaten kommen auf den Tisch, dann kann es losgehen. Wie das genau funktioniert, so fragt man sich als rot anlaufender Tourist, erfährt man schon irgendwie. Man muss nur einmal verwirrt zum Nachbartisch schielen, schon steht der Kellner neben einem und nimmt einem die Stäbchen aus der Hand.
2. Ist das Beef, Chicken oder Pork?
Ganz ehrlich? Man weiß es nie. Vielleicht ist es Hund.

Motorradtour

Ich sitze auf einem Motorrad. Die Welt um mich herum schlägt Falten. Ich wüsste nicht wie ich es anders beschreiben sollte:
Zum einen die Landschaft, gebrochen und frisch, staubig und klar. Feldwege und Schotterpisten, entlang an Felsen und Berghängen, Reisfelder in grünen Nuancen und trockenem Nichts, Straßen gesäumt von Essensschildern und Rinnsale aus Menschen, zersprungen und gefügt wie sie ihrem Tag nachgehen.
Zum anderen der Blick, wie er sich wirft und stolpert, wie er vorbeirauscht und innehält. Wie er einsaugt und aussortiert. Gesehenes zu Gefühlen wird. Falte, um Falte, um Falte.
„You speak to me in words and I look at you with feelings.“
Der Knackpunkt. Die Welt hat keine Worte, wir geben sie ihr nur. Alles was ich sehe, formt sich zu Sätzen, Baustein auf Baustein. Ein Fluss, dann ein Tal, das aus Flüssen besteht. Mal heran zoomen, mal großes Kino. Berge die mal flacher, mal spitz in den wolkenverhangenen Himmel reichen und sich vor unseren Füßen betten, klein auf einmal, ganz weit. IMG_4694IMG_4754
Wir können das alles betiteln, in Worten verstecken, in Blogs schreiben, Strich um Strich und Linie um Linie, schwarz auf weiß. Es festhalten. Den Wind festhalten, wie er gegen den Helm drückt, die Kinder festhalten, die dort laufen und winken. Die Hände schmutzig, das Gesicht schweißbedeckt, die Kleidung bunt und in den Augen das Funkeln. Die Blicke festhalten, die uns die Einheimischen dann und wann zuwerfen. Sich nach unseren blonden Haaren umdrehen und uns beim Essen anstarren. Den Geruch von verbrennendem Müll in den Dörfern, das Fleisch wie es in der Mittagshitze auf dem Holztisch liegt. Und liegt. Und liegt. Der Propeller darüber, der sich beim Vorbeifahren so langsam dreht. Ich gebe mein Bestes, ehrlich. Aber manchmal bin selbst ich die Worte satt. Dann muss man da einfach mal stehen. Und erleben.IMG_4608IMG_4767IMG_4781Dann muss man sich an den Straßenrand stellen und die Hitze auf den Schultern tragen. Sich die Stirn halten, sich übergeben. Oder bei Sonnenuntergang das Pochen so laut hinter der Brust hören. Beim Kaffee trinken so wütend auf diesen Tourguide sein. Die Hmong sehen, wie sie ihre schweren Körbe kilometerweit die Straße hochschleppen, Häuser am Wegrand die einsam wirken und eigentlich zehn Leute beherbergen. Simples Holz vor riesiger Kulisse. Man muss das sehen, auf den Lippen schmecken, mit sich tragen, irgendwo aufbewahren. Bis es einem bis in die Fingerspitzen brennt, unter der Haut pulsiert und die Gedanken formt. Denn das ist es, worum es geht.
Man kommt nie gleich zurück, wenn man einmal geht. IMG_4479IMG_4568IMG_4711IMG_4561IMG_4776IMG_4779IMG_4780DCIM100GOPROGOPR1339.DCIM100GOPROGOPR1373.DCIM100GOPROGOPR1410.IMG_4765

Free Bicycle Tour

Trung lacht über meinen Namen. Sein Fahrrad schlenkert, er hat nur eine Hand am Lenker.
„Lou?“ versucht er es nochmal und ich antworte indem ich seinen Namen falsch ausspreche.
Trung ist Student und nimmt uns mit auf eine kostenlose Fahrradtour. Um Englisch zu lernen, erklärt er. Hinter uns folgen eine Australierin, eine Thailänderin und zwei Brasilianer (die noch immer nicht gut auf Deutschland zu sprechen sind). Ich schaue mich mehrmals nervös um, weil die Schlange sich so unsicher durch den vietnamesischen Straßenverkehr führt, dass einem davon schlecht werden könnte. Trung lacht. Er tut den ganzen Tag nichts anderes mehr.
Unsere Tour führt uns auf dem Boot zur „Carpenter Village“. Trung erklärt uns wie Schiffe gebaut werden, wie teuer sie hier sind und was man als Ehefrau in Vietnam tun muss. Nämlich auf Bäume klettern und eine Frucht mitbringen.
Aha. Ob wir einen Vietnamesen heiraten wollen? Ja eh, ich gucke den Baum hoch: jetzt eventuell nicht mehr.
Die Schiffsbaustelle unterscheidet sich nur minimal von denen in Deutschland. Natürlich tragen Alle Schutzkleidung, es liegt kein Werkzeug herum, kein Müll, keine Hunde, keine vietnamesischen Frauen in Hängematten.IMG_4197 IMG_4198 IMG_4199 IMG_4202 IMG_4209Weiter geht es über sandige Pfade vorbei an Flüssen und Wasserbüffeln, spielenden Kindern und trocknendem Reis auf Planen am Straßenrand zu einem Tempel. Hier wachen am Eingang Einhörner, die so aussehen wie man sich Einhörner vorstellt.
Nämlich so:IMG_4215

Trung erklärt viel. Frauen dürfen nur durch eine bestimmte Tür eintreten, also haben wir bereits gegen die erste Regel verstoßen. Er winkt ab.
„Why do men always have to use the left door?” …. Ha, na, da können nun alle emanzipierten Frauen um die Wette antworten.
„Because women are always…“
Mittags steht die Sonne hoch. Wir laufen kurz durch einen Garten, der aus Bananenpflanzen und Hühnern besteht. Am Ende des Gangs steht noch eine alte Badewanne und daneben werden wir Zeuge der Reispapierzubereitung. Die Frau hinter dem Herd lächelt bis in die faltenumrundeten, trüben Augen. Ich frage mich, was ihre Geschichte ist . Was war bevor ihre alten Hände das Reispapier gewendet haben? Als ich neben ihr stehe und das Reispapier mit dem Stock auflese, klatscht sie. Ich möchte wissen, ob ihre Geschichte einen Applaus wert ist. Und frage mich dann, welche Kriterien das entscheiden würden.
Wir sitzen auf asiatischen, kleinen Plastikstühlen und essen unser zubereitetes Reispapier. Ein paar Straßen und Häuser weiter weben Frauen eine Schlafmatte. Eine von ihnen ist 84 Jahre alt. Sie hockt dort so, wie ich keine drei Minuten sitzen könnte und schiebt in wiederkehrender Bewegung immer und immer wieder die Binsen zusammen. Wie lange macht sie das schon? Für eine Matte brauchen die Damen zwei Stunden, sie machen davon vier bis fünf Stück am Tag und verkaufen sie für 5 Dollar auf dem Markt. Der Raum ist hell, aus der Wand ragen Betonstufen, in einer Ecke liegt eine alte Puppe und von draußen schallt laute Hochzeitsmusik.

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Reisfelder, Häuser, Kuh am Wegrand und Iphone und Pferde um sie bei einer Beerdigung für den Toten zu verbrennen. Also nicht wundern, wenn mal einer anruft.

Hoi An

Jemand schlägt mir mit aller Gewalt gegen die Schulter. Ich lasse die Schlafmaske auf, kneife die Augen zusammen und konzentriere mich darauf nicht aufzuwachen.
Nochmal. Noch stärker. Vielleicht ist es ja Madita, vielleicht ist irgendetwas passiert? Ich reiße mich hoch, ziehe die Maske einen Spalt breit ab und schaue nach links. Madita sitzt dort und tut nichts. Neben meinem Gesicht taucht eine Hand auf, die etwas in Plastik Eingepacktes unter meine Nase hält. Ich verstehe nicht sofort wie das alles miteinander zusammenhängt und kann auch nicht erkennen was sich unter dem Plastik befindet. Die Frau die zu der Hand gehört zu der das Plastik gehört, zetert ein bisschen vor sich hin und es fehlen nur noch wenige Millimeter bis das Plastik meine Haut berührt. Ich schüttele den Kopf, zu perplex um gehörig zurückzuschlagen oder eine angemessene Szene hinzulegen. Die restlichen 5 Stunden Fahrtzeit von Nha Trang nach Hoi An mach ich kein Auge mehr zu. Die Sonne geht über den Reisfeldern und Bananenpflanzen auf, erst schüchtern und neblig, dann immer greller. Der Zug rattert dahin.
Ich frage mich, was wohl in dem Plastik eingepackt war. Manchmal frage ich mich das noch heute.
Der Zug hält in Da Nang, wir schleppen unsere sieben Sachen zum Ausgang und wollen den Bus nehmen. Der hält aber nicht hier sondern sonst wo. Ein Vietnamese dessen Alter ungeklärt bleibt und der aussieht wie ein Ninja, murmelt etwas durch seine Mundmaske. Wenn ich richtig verstehe, bezahlt er das Taxi zur Bushaltestelle für uns mit, weil auch er dorthin muss. Fantastisch, da sagen wir nicht nein.
Der „Local Bus“ gestaltet sich etwas anders als der in unserer Heimat. Hier müsste selbst die Frau mit Rollstuhl fix hineinspringen oder könnte es ansonsten sofort vergessen. Der Mann an der Hintertür schreit, der Bus fährt minimal langsamer. Er nähert sich dem Bürgersteig, die Tür öffnet sich, ich sehe Füße die rennen und eine Tüte mit Salat fliegt durch die Luft. Der Mann an der Tür streckt die Arme aus, grün und Plastik vor Häuserwänden, ein Moment, ein Bild nach dem anderen. Dann plumpst die Tüte am Mann vorbei auf den Asphalt. Auch die Füße und der dazugehörige Mensch schaffen es nicht. Ich stelle mir vor wie ich mit meinem Koffer aussteige, der aussieht wie mein persönlicher Schildkrötenpanzer. Nervös blicke ich abwechselnd aus dem Fenster und auf meine Karten-App.
Hoi An beginnt wie viele andere vietnamesische Städte mit vielen Seitengassen, bunten Häusern, abgeblichen jedoch, etwas bröckelnd, die Vorgärten etwas zu unordentlich, die Seitenstraßen Blick gebend auf spielende Kinder, Hunde, Motorräder.
Wir steigen am Busbahnhof aus. Kein springen also- ich atme aus.
„Jolies Homestay“ erreichen wir zu Fuß. Lila Blumen hängen von Bäumen über dem Bürgersteig und die ganze Familie tummelt sich in der Küche während wir frühstücken. In einem Zimmer dessen Badezimmerwand verglast ist, verbringen wir die nächsten 5 Nächte.
Hoi An wird dir von jedem vorgeschlagen werden, den du in Vietnam triffst. Doch viele Backpacker stehen erstmal etwas verwirrt zwischen den europäisch anmutenden Gassen und fragen sich wohin. Bis hierhin haben sie es geschafft. Hoh-Chi-Minh-City haben sie überlebt, die Dschungeltouren und Fahrradtouren mit waghalsigen Fahrstil hinter sich gelassen, mit dem Motorrad Schlaglöchern ausgewichen und sich auf vietnamesischen Märkten die Ohren zuschreien lassen. Aber Hoi An überfordert. Denn Hoi An wirkt wie ausgestanzt aus einer anderen Urlauberwelt. Allerdings vor abermillionen vor Jahren, so perfekt alt und geheimnisvoll wie das gelb der Häuserwände leuchtet. Hier wirkt alles etwas zivilisierter, etwas langweiliger vielleicht, etwas ruhiger. IMG_3951 IMG_3953 IMG_4003 IMG_3965 IMG_4019 IMG_4021IMG_4039 IMG_4070 IMG_4072 IMG_4053 IMG_4061 IMG_4075 IMG_4082 IMG_4084 IMG_4109 IMG_4125 IMG_4130 IMG_4134 IMG_4142 IMG_4144 IMG_4146 IMG_4172 IMG_4168

Wir sind nicht überfordert, werfen uns in die gewohnten Muster und steigen auf die Fahrräder, die es bei Jolies Homestay kostenlos gibt.
Wenn wir Richtung „Vegetable Village“ fahren, ändern sich die Straßen. Was groß war, wird klein und friedlich. Die Straßen eng und sandig, die Felder dafür weiter und auf den Pflanzen und Teichen liegt ein Schimmer Nachmittagssonne. Die Pedalen quietschen. Abends leuchten im City Center überall Laternen und wir blicken von weit oben auf die Häuserdächer.

Da Lat nach Nha Trang

Ich höre meinen eigenen Atem. Er schlägt mir gegen den Hals und pocht in meinen Ohren. Nur noch um die nächste Kurve, nur noch die eine. Ich trete für eine Sekunde etwas kräftiger in die Pedale und keuche.
Von Da Lat nach Nha Trang geht es fast nur bergab. Aber auch nur fast. Die 20 Prozent die bergauf gehen hassen wir mit vollem Herzen. Ich starre auf den Asphalt und fluche innerlich.
Irgendwo hinter mir ist Madita, aber ich sehe sie nicht mehr. Ich hab kein Bock mehr. Will absteigen. Ich steig einfach ab. Ich tus. Und wenn ich schieben muss. Wie bin ich auf die Idee gekommen irgendwann mal mit dem Fahrrad reisen zu wollen? Niemals. Niemals werde ic… Hier oben wechselt das Klima, als ich die nächste Kurve umrunde und die Beine entspanne. Der Fahrtwind ist nun heiß. Zwischen den Bergen, die auf einmal neben mir emporragen, das Tal entlang am Horizont, glaube ich das Meer zu sehen.IMG_3932 IMG_3936 IMG_3938 So bin ich auf die Idee gekommen. Ich lächle.
Und weiß noch nicht, dass es ein paar Kurven weiter wieder bei 35 Grad bergauf geht.

 

Sonstiges zu Da Lat und Nha Trang:

  1. Wer in Da Lat “happy” unterkommen möchte, kann sich den Typen in der Mitte schnappen und im “Happy Homestay” übernachten. Alles ein bisschen rosa aber günstig und glücklich. Peter und Henning zeigens:IMG_3923
  2. Eine Foodtour gibt es bei Mr.Happy (Binh) oft dazu. Und wenn nicht, dann auf jeden Fall die passenden Tipps.
  3. Fahrradtour über Passion Da Lat. Tour war gut, Anbieter gibt es reichlich.
  4. Nha Trang:  Macht es wie wir: Ohne duschen nach einer Fahrradtour in den Zug steigen der über Nacht nach Hoi An fährt. Am besten noch ohne Bett sondern die Soft oder Hard Seats. Dann ist die Disaster-Nacht komplett, in der euch als kleines Extra eine Frau gegen die Schulter schlägt, um euch anschließend Reispapier unter die Nase zu halten oder ein Mann seine nackten Käsefüße auf eure Lehne drückt. In Nha Trang gibt es wohl auch nicht mehr als das zu sehen. Nur mit Meerblick.

Ho-Chi-Minh-City

Nachts sind die Straßen noch voller. Die Hitze steht zwischen den Gassen. Vietnams Bangkok trumpft mit noch mehr; noch mehr Chaos, noch mehr Motorräder, noch höher und noch weiter. Verschachtelt und zerschunden steht die Metropole stolz im Süden Vietnams. Häuserwände tapeziert mit Fetzen, Werbeplakaten und Essensschildern. Die Stände stehen auch hier in jedem Winkel, doch das Essen darauf ist anders als in Thailand. Logisch. Ein neues Abenteuer beginnt.IMG_3895 IMG_3894

Was denkt man von Vietnam bevor man losfährt? Ich denke am Flughafen erstmal nichts, außer an AirAsia und daran, dass ich noch ein bisschen älter werden will. Doch wenn man nur „Vietnam“ denkt, dann tauchen dort provisorische Bilder vom Vietnam-Krieg auf, von Armut und Menschen, die so viel anders sind als wir selbst.
Wir haben nicht viel Zeit. Drei Wochen mögen lang wirken, doch wenn man keinen Marathon hinlegen will, kann man nur einzelne Stationen mitnehmen. Beginnend in Hoh Chi Minh (Saigon) merken wir schnell, dass auch Vietnam nicht zu verallgemeinern –und der Vietnamkrieg genauso fern wie nah ist.
Hoh Chi Minh City schläft nicht. Auf dem Asphalt im Park inzwischen von Häuserwänden, in dieser Schlucht umkreist von unzähligen Mofas und dem Echo der Hupen, fahren Kinder Inliner und spielen Federball, weil die Hitze nun ertragbar geworden ist.
Mittags stolpern wir über die ungleichmäßigen Bürgersteige und versuchen nicht überfahren zu werden bei dem Versuch eine Kreuzung zu überqueren.
„Seriously man, why don’t you have rules for driving?“
“Well, in theory we have”, der Vietnamese lacht. Aber das Leben in Vietnam ist nunmal nicht theoretisch.

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Vielleicht sind die Vietnamesen auch einfach zu cool dafür -oder zu faul. In der Mittagshitze laufen wir durch die Straßen und wollen uns am „Banh Mi-Stand“ ein vietnamesisches Sandwich kaufen; die Frau dahinter hat in ihrem kleinen Stuhl die Beine ausgestreckt und schläft. Der Friseur nebenan (nur ein Plastikstuhl am Straßenrand und ein Spiegel an der Wand) sitzt selbst darin und hat die Augen zu.
Etwas weiter hinten stehen vier Männer und gestikulieren wild. Zwei von ihnen halten Hähne in den Händen, beugen sich über sie, packen ihre Federn und gießen Wasser über die Schnäbel. Ein Hahnenkampf in einer 7,396 Millionen-Stadt (2010). Dahinter laufen Menschen aus einem Supermarkt.

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Alles hupt. 24 Stunden am Tag. Es hupt auch als wir von einem“ Pubcrawl“ nach Hause laufen, ohne für ihn bezahlt zu haben. Ehrlich, als Mädchen zu reisen hat auch seine Vorteile. Und Vietnamesen sind gar nicht so anders als wir.

Same same but different.

Aber dazu später mehr.